Energiewende setzt die deutsche Industrie unter Druck

(PresseBox) (München, ) Die deutsche Industrie unter Druck - Während konjunkturell nur mit einer zeitlich begrenzten Dämpfung der Geschäftstätigkeit gerechnet wird, führt die Energiewende in Deutschland zu langfristigen Belastungen der Wachstumsperspektiven, die durch eine bisher in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommene Energiewende in den USA verschärft werden.

Am 7. November 2012 fand in München der jährlich veranstaltete Branchen-Dialog des ifo Instituts unter Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit statt. Im Industrieforum präsentierten die Experten des ifo Instituts und Vertreter aus der Wirtschaft ihre Erwartungen für die Perspektiven des Verarbeitenden Gewerbes, das in den vergangenen Jahren zu der positiven Entwicklung in Deutschland einen großen Beitrag geleistet hat. Der gegenwärtigen Auftragsschwäche ist ein nicht zu vermeidender Rückgang der Produktion im laufenden Jahr geschuldet. Auch die Frühindikatoren des ifo Instituts signalisieren keine schnelle Besserung der Geschäftstätigkeit.

Die Aussichten für das kommende Jahr werden von der Erwartung getragen, dass die Weltwirtschaft sich erholen wird und Deutschland hiervon profitieren kann. Aber auch in dem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld, das in der Gemeinschaftsdiagnose unterstellt wird, kann für 2013 nur mit einer Stagnation der Industrieproduktion gerechnet werden. Der verzögert einsetzende Aufschwung kann erst 2014 seine volle Kraft in der Industrie entfalten und wieder zu einer expansiven Industrieproduktion führen.

Die längerfristigen Aussichten für die deutsche Industrie stehen in einem engen Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts für Forschung und Entwicklung, aber auch für die Produktion von Industrieerzeugnissen. Vor diesem Hintergrund hat sich die Energiewende in Deutschland vor allem zu einer Herausforderung für die Industrie entwickelt. Zwar sind die energieintensivsten und größeren Industrieunternehmen von der EEG-Umlage ausgenommen, nach Senkung der Grenzen im laufenden Jahr handelt es sich um 2000 Betriebe mit einem Stromverbrauch von mehr als 1 GWh/a und einem Anteil der Stromkosten von mehr als 14% an der Bruttowertschöpfung.

Jedoch für Betriebe, die keine Befreiung erhalten haben, führen die gestiegenen und weiter steigenden Stromkosten zu einem nennenswerten Kostenanstieg. Selbst weniger energieintensive Produktionen wie beispielsweise in der Textilindustrie werden in ihrer Preiswettbewerbsfähigkeit spürbar belastet. In dieser Branche entfallen zwar nur etwa 30 bis 40% des gesamten Energieverbrauchs auf Strom. Allerdings sind die Stromkosten für rund 60 bis 70% der gesamten Energiekosten des Industriezweigs verantwortlich.

Kaum bemerkte Energiewende in den USA

Während in Deutschland eine massive Energiewende vollzogen wird, bei der auf teure alternative Formen der Energiegewinnung gesetzt wird, vollzieht sich in den USA eine kaum bemerkte Energiewende, getrieben von dem Streben, außenwirtschaftliche Un-gleichgewichte abzubauen. Der Grad der Selbstversorgung wird erhöht. Verstärkte Gas- und Ölförderung haben in den Vereinigten Staaten die Energiepreise sinken las-sen, während der Weltmarkt hierauf bisher nicht spürbar reagiert hat. Es steht zu be-fürchten, dass bisherige Prognosen über die Entwicklung der Preise von fossilen Ener-gierohstoffen angesichts der US-Energiewende überzogen sind. Dies bedeutet, die Grenzkosten der deutschen Energiewende im internationalen Standortvergleich fallen wohl ungünstiger aus, als bisher zu erwarten war.

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