Erneuerbare Energien – Berlin braucht ganzheitliches Denken

Geothermie-Unternehmer zeigt ungenutzte Chancen für die Berliner Energieversorgung auf
Logo Geo-En (PresseBox) (Berlin, ) "Berlin verfügt über ein enormes Potenzial, was die Nutzung von Erdwärme angeht. Im dicht besiedelten Zentrum befinden sich 90 % der zu beheizenden Wohnungen. Das reichlich vorhandene Grundwasser ist hier um 4 Kelvin wärmer als normal, bedingt durch die Bodenversiegelung und zusätzliche Wärmeeinträge von Mensch und Industrie. Eine intensivere Nutzung der Geothermie könnte eine große Menge an fossilen Brennstoffen und damit an CO2 eingesparen - würde nicht die Berliner Energie- und Genehmigungspolitik vielen Entwicklungen entgegen stehen." Dieses Fazit zog Michael Viernickel, Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Energie der IHK Berlin und Geschäftsführer des Berliner Geothermie-Unternehmens Geo-En Energy Technologies, auf dem 8. Stadtgespräch Wasser im Energieforum in Berlin.

Will ein Bauherr in Berlin z. B. eine geothermische Anlage errichten, so muss er sich diese von der Wasserbehörde genehmigen lassen. Als Grund für die strengen Genehmigungsbedingungen wird der Schutz des Grundwassers angeführt, der in Berlin oberste Priorität habe. "Natürlich wollen wir alle, dass unser Trinkwasser seine gute Qualität behält", erläutert Viernickel. "Tatsache ist aber auch, dass das Zentrum Berlins weitgehend außerhalb der Einzugsgebiete für die Wasserwerke liegt. Außerdem kommen auch in Berlin rund 70 % des Trinkwassers aus Uferfiltraten."

Was hier fehle, sei die Abwägung von Risiken und Nutzen in einem ganzheitlichen umweltpolitischen Ansatz, so Viernickel weiter. In Berlin berücksichtige jede Behörde weitgehend ihre eigenen Belange gemäß ihrer Richtlinien. Für ein gemeinschaftliches Wirken im Sinne dieser Abwägung gäbe es keine Strukturen und Motivation. "Dadurch werden motivierte Bauherren und Planer frustriert, die einen substanziellen Beitrag zu einer regenerativen Energieversorgung leisten wollen - ganz ohne Subventionen."

Die starke gewerbliche Nutzung der städtischen Grundstücke hat im Laufe der Jahrzehnte zu Schadstoffeinträgen in Boden und Grundwasser geführt. Diese werden größtenteils sich selbst überlassen, aus Angst vor Verschleppung oder Mobilisierung und aufgrund von Haftungsfragen. Damit komme die Behörde jenseits der Altlastenflächen nicht ihrer Aufgabe nach, das Grundwasser im Sinne einer zunehmenden Verbesserung zu bewirtschaften. Sogar für die Reinigung des Grundwassers könne die Geothermie eingesetzt werden. Schon eine verstärkte Grundwasserbewegung würde zu einer großräumigeren Verteilung und damit zu einer größeren Angriffsfläche für natürliche Selbstreinigungsprozesse führen. Aus Kostengründen werden in Berlin jedoch nur relevante Altlasten saniert, nicht aber die schwachen Verunreinigungen. "Die direkte thermische Nutzung des Grundwassers könnte in Berlin relativ einfach mit einer Reinigung kombiniert werden. Jede geothermische Brunnenanlage würde so gleichzeitig Wärme oder Kälte liefern, CO2 einsparen und einen Beitrag zur Reinigung des Grundwasserreservoirs leisten", fasst Michael Viernickel die Vorteile zusammen.

"Was den Einsatz Erneuerbarer Energien, Forschung und Entwicklung oder auch Anstrengungen für technologischen Wandel angeht, liegt Berlin weit hinter anderen Bundesländern zurück, während Brandenburg beispielsweise Spitzenpositionen einnimmt", so Viernickel weiter. Das sei zum Teil durch die höhere Besiedelungsdichte erklärbar. Berlin könne sich aber im Verbund mit Brandenburg als "smarter" Verbraucher profilieren und so durch bedarfsgerechte Stromabnahme die erneuerbaren Energieerträge optimieren und die Netze entlasten, ohne dass eine finanzielle Inanspruchnahme des Staates erforderlich wäre. "Auch hier gibt es seitens der Politik noch viel zu tun. Eine Möglichkeit dazu wäre ein runder Tisch für eine ganzheitliche Berliner Umweltpolitik mit allen Beteiligten."

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Geo-En Energy Technologies GmbH
Hauptstraße 65
D-12159 Berlin
Michael Viernickel
Geschäftsführer

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