Hallesche Wohnungsgenossenschaft legt Farbe auf

Fassade ist die Visitenkarte des Hauses
Der Straßenzug Moskauer Straße in Halle präsentiert sich nach der Neugestaltung in modischem Gewand, dessen heller Grundton durch unaufdringliche Farbapplikationen seine besondere Note erhält, Foto: Caparol Farben Lacke Bautenschutz/Martin Duckek (PresseBox) (Ober-Ramstadt, ) Die Saalestadt Halle hat den zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden und dadurch viel städtebauliche Ursprünglichkeit bewahrt. Dass sie dennoch baulich voller Gegensätze ist, verdankt sie insbesondere dem industriellen Wohnungsbau, der mit Beginn der 50er Jahre überall in Deutschland dazu beitrug, die durch den Krieg verursachte Wohnungsnot zu beseitigen und im Gefolge des wirtschaftlichen Aufbaus entstehenden Bedarf zu decken, aber auch Tristesse und Farblosigkeit zu verbreiten. Auf der Grundlage in der Region vorhandener Bodenschätze und ihres traditionellen Wirtschaftspotentials entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen industriellen Zentrum - insbesondere der chemischen Industrie - im Osten Deutschlands mit einem rasch wachsenden Wohnungsbedarf. Neben den staatlichen Wohnungsbaukombinaten waren viele an Trägerbetriebe gebundene, aber juristisch selbständige Wohnungsbaugenossenschaften am Wohnungsbauprogramm beteiligt.

Zu den Wohnungsbauunternehmen, die das Stadtbild von Halle prägten, gehört die 1954 gegründete Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft "Freiheit", die in mehr als einem halben Jahrhundert ihren Mitgliedern in guten wie in schweren Zeiten ein zuverlässiger Partner gewesen ist. Die nach der Wiedervereinigung geltende Gesetzlichkeit brachte die Genossenschaft an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Das war unter anderem dem Wegfall von Subventionen aus dem Staatshaushalt geschuldet. Die ohnehin nicht kostendeckenden Mieteinnahmen wurden dadurch gemindert, dass die Einwohnerzahl der Stadt durch Wegzug in die alten Bundesländer von 320 000 auf 230 000 sank und der Wohnungsleerstand in Halle bei 20 Prozent lag. Am Ende zahlten sich die solide Geldpolitik und die exakte Haushaltführung der Genossenschaft aus, die von Anfang an vor allem der eigenen Kraft vertraut hatte.1992 wurde sie als Hallesche Wohnungsgenossenschaft "Freiheit" eG in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Halle-Saalkreis eingetragen.

Wohnquartieren eine Perspektive geben

Von ihrem Wohnungsbestand wurde im Zuge des Altschuldenhilfegesetzes Mitte der 90er Jahre ein Teil verkauft oder abgerissen. Unter dem Strich verblieben 5.400 Wohnungen, die angesichts des Instandhaltungsrückstaus mehr oder weniger dringlich einer Sanierung bedurften. Den Erfolg der Bemühungen belegt die seit drei Jahren zu verzeichnende Leerstandquote von unter fünf Prozent. "Wir haben den Mietern deutlich gesagt", erläuterte Vorstand Dirk Neumann das Konzept, "dass wir zu den Beständen stehen und so in die Immobilien investieren, dass diese eine Perspektive haben." Dafür gibt die Genossenschaft jährlich fünf bis acht Millionen Euro aus. Im Zuge der Komplettsanierung wurde der Bestand energetisch auf den neuesten Stand gebracht und funktional ertüchtigt. Das ging einher mit der Verbesserung des Erscheinungsbildes, das weitgehend vom industriellen Bauen geprägt war. "Wir gehen davon aus", so Vorstand Dirk Neumann, "dass die Fassade die Visitenkarte des Wohngebäudes ist." Deshalb schenke man einer attraktiven Fassadengestaltung große Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang besitzt die Analyse der Mieterschaft und die Festlegung der Zielgruppen besondere Bedeutung. Wenn die eigene Kompetenz nicht ausreiche, sichere man sich die Hilfe von Experten aus Industrie und Wissenschaft. So arbeitet die Genossenschaft seit vielen Jahren erfolgreich mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und dem Caparol FarbDesignStudio in Ober-Ramstadt zusammen. Jährlich 50.000 Euro ist professionelle Farbgestaltung der Wohnungsgenossenschaft wert. "Unser Anliegen ist, die Häuser für die nächsten 25 Jahre fit zu machen." Nicht zuletzt im Ergebnis dieser Strategie konnte in der Großwohnsiedlung Silberhöhe der Wegzug aus den Plattenbauten gestoppt werden.

Farbigkeit, die Jung und Alt gefällt

Der Straßenzug Moskauer Straße 2-38 in der Südstadt stammt aus den 50er Jahren und wurde als Typenbau IW 58 in Blockbauweise errichtet, weiß die Technische Leiterin der Genossenschaft Beate Hempel zu berichten. Die Wohnungen entsprachen dem damaligen Standard und erfuhren im Jahre 2000 eine Grundsanierung. Dabei lag die Priorität damals eindeutig auf energetischer und technischer Aufwertung. Die Farbgebung fiel schlicht und einfach aus. Nach mehr als einem Jahrzehnt war die Schönheit dahin. Durch das Fehlen einer fungiziden Komponente hatten die Fassaden der von viel Grün umgebenen Gebäude Algen angesetzt, denen mit einer einfachen Reinigung nicht beizukommen war. Der langgestreckte Straßenzug brauchte dringend ein neues Erscheinungsbild. Dirk Neumann machte dies zur Chefsache: "Heute legen wir in eine Farbgestaltung mehr Herzblut als wir das vor einem Jahrzehnt gemacht hätten". Das sei man den Bewohnern schuldig, die vom ersten Tag an in diesen Häusern gewohnt und der Genossenschaft die Treue gehalten hätten. Zu bedenken sei aber auch, dass eine Lösung gefunden werden musste, die sowohl von den jetzigen als auch von künftigen Mietern akzeptiert wird. Denn die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt, so Neumann, mache eine optimierte 3-Raum-Wohnung mit modernem Bad bzw. Waschcenter im Flur für junge Familien wieder attraktiv.

Die Wohnungsgenossenschaft hatte in der Vergangenheit mehrfach die Kompetenz von Dipl.-Ing. Eva Helterhoff vom Caparol FarbDesignStudio in Anspruch genommen und war damit gut gefahren. Sie entschied sich auch in diesem Fall für die Farbdesignerin. "Frau Helterhoff besitzt ihre eigene unverkennbare Handschrift und weiß, wie wir ticken", bescheinigte ihr Dirk Neumann. Gefragt war ein Entwurf, der Bewohnerschaft, Quartier und Umfeld gerecht wird. Was die Gestalterin in Halle vorfand, war eine in die Jahre gekommene Straßenzeile, die wenig Ausstrahlung besaß und den Bezug zur Umwelt vermissen ließ. In der Baugleichheit der Gebäude und nur einem Eigentümer sah sie die Chance, die vier nebeneinander stehenden Häuser über die Farbgebung in ein ansehnliches, lebendiges Wohnensemble zu verwandeln. Das war mit einer klassischen, nur von wechselnden Farbtönen getragenen Gestaltung nicht zu machen. So empfahl sie die Verwendung von weiteren spezifischen Gestaltungselementen. In den Entwürfen setzen die zwischen den Eingangsbereichen angeordneten, über zwei Fensterbreiten reichende Farbbänder in Gebäudehöhe die farblichen Akzente auf der im Grundton weißen Fassade, in die als Gestaltungselemente farblich kräftigere Quadrate eingestreut sind. "Sie durften nicht zu kleinteilig sein, um ihren Rhythmus nachvollziehbar zu machen", beschrieb die Designerin ihre Überlegungen. Zu berücksichtigen war außerdem, dass es im Sommer durch Bäume zu Sichteinschränkungen kommt, was eine Kleinteiligkeit der Elemente verbot. Der von der Gestalterin gewählte Farbkreis von Orange über Gelb nach Grün gestand jedem der vier Häuser ein bestimmtes Maß an Individualität zu, verband sie aber andererseits wie gewünscht zu einem harmonisch in die Wohnlandschaft eingepassten Ensemble. Eingeleitet wird die Farbgestaltung jedes Hauses mit einem Paukenschlag: Die fensterlosen Giebel erhielten einen vollflächigen Farbanstrich. Auf der straßenfernen Seite bestimmen die vorhandenen Putzbänder und Balkonbrüstungen die Farbwahl. Alle Balkonrückwände sind als verbindendes Element in einem Gelbton abgesetzt.

Neben Sanierung steht Neubau auf der Tagesordnung

Die der Wohnungsgenossenschaft vorgelegten Entwürfe wurden einer gründlichen Prüfung unterzogen, ehe die Entscheidung zugunsten der beschriebenen, von Grüntönen dominierten Variante fiel. Frische und Freundlichkeit überzeugten ebenso wie Lebendigkeit der mit leichter Hand eingefügten quadratischen Gestaltungselemente. Der Entwurf entspreche im Übrigen der ökologischen Grundeinstellung der Genossenschaft und sei im grün Gestalteten mit den Unternehmensfarben identisch, war ergänzend zu hören. Den Zuschlag für die Malerarbeiten erhielt die Leipziger Niederlassung der renommierten Firma Heinrich Schmid, die das vorgegebene Farbkonzept exakt umsetzte. Nach einer Hochdruckreinigung der Fassade wurde eine fungizide Grundierung aufgetragen, ehe der zweimalige Anstrich mit Thermosan den Schlusspunkt setzte. "Mit der Moskauer Straße ist uns ein guter Wurf gelungen", schätzte Vorstand Neumann zufrieden ein.

Nachdem die Sanierung des Bestandes nahezu vollständig abgeschlossen ist, steht der Wohnungsneubau auf der Tagesordnung der Genossenschaft. Auch dabei wird ihr Caparol als kreativer und professioneller Partner zur Seite stehen. Innovativität und Service des namhaften Herstellers sind hochgeschätzt. Als ortsansässiger Caparol-Experte sorgt Torsten Walther dafür, dass die Hallesche Wohnungsgenossenschaft "Freiheit" eG , was die Marktneuheiten betrifft, auf dem Laufenden bleibt.

Bautafel

Auftrag: Farbgestaltung
Objekt: Moskauer Str. 2 – 38 in Halle/Saale 4 Wohngebäude Typenbau IW 58 in Blockbauweise Bauzeit Ende der 50er Jahre
Auftraggeber: Hallesche Wohnungsgenossenschaft Freiheit eG
Entwurf: Caparol FarbDesignStudio in Ober-Ramstadt Dipl.-Ing. Eva Helterhoff
Ausführung: Firma Heinrich Schmid, Niederlassung Leipzig

Kontakt

Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH
Roßdörfer Str. 50
D-64372 Ober-Ramstadt
Ute Schader
Presseabteilung
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