Die Verantwortung der Textilproduzenten in Bangladesch

Hintergrundinformationen aus einem aktuellen Besuch in Dhaka
Achim Halfmann (PresseBox) (Würzburg, ) Die Ereignisse nach dem Einsturz eines mehrstöckigen Gebäudes im Norden Dhakas werden in Deutschland sehr aufmerksam verfolgt. Viele der über 300 Toten waren in Textilfabriken tätig, die in dem Gebäude auch für westliche Marken produzierten. Noch im Februar hatte der Chefredakteur des CSR Magazin, Achim Halfmann, Dhaka und seine Textilindustrie besucht. Die aktuelle Ausgabe des Magazins berichtet unter dem Titel "Verantwortung auf fremden Märkten" darüber. Drei Fragen an den Chefredakteur zur aktuellen Situation in Bangladesch:

Sind westliche Modemarken für die Toten in den Textilfabriken von Savar mit verantwortlich?

Halfmann: Die Verantwortung europäischer und amerikanischer Modelabel und Handelshäuser wird im Blick auf deren billigen Einkauf in Bangladesch diskutiert. Was genau bei dem Gebäudeeinsturz in Savar geschah, werden hoffentlich die Ermittlungen in den nächsten Tagen zeigen. Fest steht aber: Es fehlt radikal an einer Kontrolle der Textilfabriken durch staatliche Stellen. So werden Bauanträge ganz auf der Grundlage von eingereichten Planungen entschieden - ohne einen Besuch der Bauaufsicht vor Ort. Das öffnet einem Betrug bei der Bauausführung Tür und Tor. Die Forderung an westliche Zulieferer, dass sie Verantwortung für die Verhältnisse in den von ihnen beauftragten Unternehmen übernehmen sollen, ist daher berechtigt. Diese Verantwortungsübernahme kann gelingen, wenn Unternehmen vor Ort mit eigenen Mitarbeitern ständig vertreten sind, wenn sie langfristige Lieferantenbeziehungen aufbauen und ihre Produzenten qualifizieren, wenn einmal vereinbarte Preise nicht gedrückt werden und wenn Verantwortung nicht nur ein Thema für CSR-Abteilungen ist, sondern auch die Einkäufer darin geschult werden und wissen: Unserem Arbeitgeber ist es ernst mit der Verantwortung.

Sollten Kunden jetzt Textilien aus Bangladesch meiden?

Halfmann: Nein, das würde den Arbeiterinnen nicht nützen. Einerseits habe ich es als sehr bedrückend erlebt, wie junge Frauen nach 70 Stunden Arbeit an sechs Tagen pro Woche mit einem Monatslohn von umgerechnet 50 Euro nach Hause gehen und unter welchen Bedingungen sie in den Slums leben. Andererseits versorgen sie von diesem wenigen Geld noch ihre Eltern und Geschwister auf dem Land, die sonst möglicherweise verhungern würden. Nicht der Rückzug aus Bangladesch wird diesen Menschen helfen, sondern eine verbesserte Produktion, ein Ausbau des völlig unzureichenden Bildungssektors und die Entwicklung weiterer Industrien und Dienstleistungssektoren. Zudem steckt die gewerkschaftliche Bewegung in Bangladesch ganz in den Anfängen. Hier zu unterstützen ist nicht nur eine Herausforderung an Unternehmen, sondern auch an die Zivilgesellschaft, etwa an westliche Gewerkschaftsverbände oder Stiftungen.

Wie sieht es aktuell in Bangladesch aus?

Halfmann: Die massiven Proteste von Textilarbeitern führten dazu, dass in vielen Textilfabriken nicht gearbeitet wurde. Viele Arbeiter fühlen sich in ihren Fabriken nicht mehr sicher. Die Regierung hat bereits stärkere Kontrollen angekündigt, aber dem schenken die Menschen wenig Vertrauen. Auch nach schweren Unglücken wie dem Brand in der Textilfabrik Tazreen Fashion im Norden Dhakas im November hat es bisher kaum Konsequenzen gegeben, sagen selbst Experten. Das Vertrauen in die Unternehmen und die Regierung ist gering.

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