Kampf der Amazonen

Amazonas-Staaten bestreiten Amazon das Recht auf .Amazon
Traurige Tropen: Fluß Amazonas in Brasilien (PresseBox) (Koeln, ) Für Amazon läuft es zur Zeit nicht rund. Die Umsatzzahlen steigen zwar von Quartal zu Quartal stetig an. Der Gewinn ist allerdings rückläufig - fürs nächste Quartal rechnet Amazon mit einem Verlust in Höhe von bis zu 340 Millionen US-Dollar. Der Image-Schaden nach dem Bericht der ARD über die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren ist noch nicht zu ermessen.

Überraschend- oder auch nicht- ist das starke Engagement von Google und Amazon bei den Neuen Top Level Domains. Beide haben sich um zahlreiche Internet-Namen beworben. Darunter sind Marken von Amazon und Google, aber auch generische Namen. Die beiden großen Internetkonzerne sind bereit, viel Geld in die Neuen Top Level Domains zu investierten. Ziel ist offensichtlich, die marktbeherrschende Stellung zu erhalten oder noch auszubauen.

Amazon möchte alle Domainnamen, für die sich die Firma beworben hat, aussschließlich für eigene Zwecke benützen. Bisher hat man geglaubt, daß dies bei .amazon kein Problem sein dürfte. Die Regierungen der beiden Amazonas-Staaten Peru und Brasilien haben jetzt energischen Widerspruch bei ICANN gegen die Verwendung von .amazon durch Amazon eingelegt.

Die beiden Regierungen wollen nicht, daß Amazon den Namen des Amazonas, englisch "Amazon", für Gewinn-Interessen nutzt."Privaten Firmen zu erlauben, geographische Namen als Top Level Domains zu benützen, um Ihre Markenposition zu stärken oder Gewinn aus der Bedeutung dieser Namen zu ziehen, dient - aus unsere Sicht- nicht dem öffentlichen Interesse," erklärt der brasilianische Minister für Wissenschaft und Technologie. Die Regierungen von Peru und Brasilien forderten Amazon nachdrücklich auf, die Bewerbung zurückzuziehen. Brasilien betont, daß die anderen Mitglieder des Amazonas Kooperations-Vertrages (Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Surinam und Venezuela) ebenfalls der Meinung sind, daß Amazon nicht die Top Level Domain .amazon verwenden sollte.

Amazon möchte auch generische Namen für sich sichern wie .book. Damit besteht die Gefahr, daß Amazon den Begriff .book im Internet quasi als Monopol für sich beansprucht.

Bei Anfragen von Journalisten, wie die Domain-Strategie von Amazon aussieht, was Amazon genau mit den Domains vorhat, schweigt sich Amazon aus. Das scheint eine Art von Betriebsgeheimnis zu sein, das man vor der Öffentlichkeit und den Mitwettbewerbern schützen muß.

An sich besteht dieses Problem für jede Firma, die sich einen generischen Namen sichert. Bei dem Begriff .book ist das aber besonders problematisch, weil Bücher noch immer in der politischen Meinungsbildung eine Rolle spielen und ein Monopol auf eine solche Internetadresse auf eine Firma natürlich immer problematisch ist.

Ein zusätzliches Problem entsteht, wenn die Firma "Amazon" heißt. Da schreien nicht nur konkurrierender stationäre Buchhändler auf, sondern viele unabhängige Kritiker sehen eine gefährliche Kombination von großer Marktmacht und Monopolisierung von generischen Begriffe. Die Book-Domains sind dabei nur ein -besonders eindrucksvolles- Beispiel. Unter den von Amazon beantragen 76 Domains befinden sich eine ganze Reihe von generischen Domains, die Amazon ausschließlich für die Zwecke der eigenen Firma benützen will. Dazu gehören die movie-domains, die video-domains, die mobile-domans, die buy-domains, die music-domains, die store-domains, die news-domains,die mail-domains, die cloud-domains,die bot-domains,die app-domains,die game-domains,die search-domains,die show-domains, die map-domains,die song-domains, die talk-domains und viele mehr.

Amazon hat sich zumeist für attraktive Begriffe beworben, für die sich andere auch beworben haben. Es bleibt zu hoffen, daß ICANN die Gefahren, die sich für die Freiheit im Internet durch eine zu große Marktmacht ergeben könnte, bei der Auswahl des qualifizierten Bewerbers mitberücksichtigt. Ein allgemeiner Begriff für firmeneigene Zwecke benützen zu wollen, sollte ein K.o-Argument gegen eine Bewerbung sein, zumindest dann, wenn es alternative Bewerber gibt.


Hans-Peter Oswald
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