IFS präsentiert erste Ergebnisse des Pilotprojekts zu unangekündigten Hygieneaudits

Der Hygienecheck soll Teil des IFS Food Standards werden und auf freiwilliger Basis zusätzlich zum IFS Standardaudit durchgeführt werden.
(PresseBox) (Essen, ) Mäusekot und tote Schaben in der Produktion – die schwerwiegenden Hygiene-Mängel bei Müller-Brot erschütterten vor anderthalb Jahren die Lebensmittelbranche und haben bis heute weitreichende Konsequenzen: Behörden kontrollieren nun stärker und die Belastbarkeit der Ergebnisse aus Zertifizierungsaudits wird hinterfragt. Um die Lebensmittelsicherheit in der Backbranche sowie die Aussagekraft von IFS Food-Audits sicherzustellen, haben der IFS und der Verband Deutscher Großbäckereien daher im Herbst 2012 ein Pilotprojekt zu unangekündigten IFS Food-Hygieneaudits durchgeführt. Die ersten Ergebnisse präsentierte der Geschäftsführer des International Featured Standards und stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp im Rahmen des Food Safety Kongresses am 24. April 2013 in Berlin.

Als erstes Resultat lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse der IFS-Zertifikate im Rahmen des Kontrollaudits zum großen Teil bestätigt wurden und die auditierten Betriebe in Bezug auf den reinen GMP-Zustand ihres Unternehmens relativ gut aufgestellt waren. So konnte der Hälfte der Unternehmen ihr im IFS-Standardaudit erreichtes Niveau bestätigt werden, während drei Unternehmen aufgrund von Schwächen in der Rückverfolgbarkeit und im Fremdkörpermanagement runtergestuft werden mussten. Insgesamt wurden zehn Unternehmen, von denen acht IFS-zertifiziert sind, auf freiwilliger Basis von Auditoren der Zertifizierungsgesellschaften DNV Business Assurance, DQS und TÜV Nord an jeweils einem Tag auditiert. Die Audits waren nicht angekündigt – lediglich ein Zeitfenster von drei Wochen wurde im Vorfeld benannt. Grundlage für die Audits war eine reduzierte IFS-Checkliste mit 160 Kriterien, wobei alle KO-Kriterien überprüft worden sind.

„Die Ergebnisse des Pilotprojektes müssen noch final ausgewertet und die zusätzlichen Kontrollbesuche im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit sowie ihren Mehrwert hin genau überprüft werden. So haben wir festgestellt, dass wir bei den formellen Anforderungen der unangekündigten IFS-Hygieneaudits nachjustieren müssen“, erklärt Stephan Tromp. „Beispielsweise fällt der Zeitrahmen für 160 Kriterien zu eng aus, so dass wir über eine Reduktion der Anzahl der Kriterien nachdenken. Darüber hinaus soll der Fokus der Audits auf Hygiene, Schädlingsbekämpfung und Lebensmittelsicherheit im Allgemeinen und weniger auf der Dokumentationsprüfung gelegt werden.“

Und wie geht es weiter? Mittel- bis langfristiges Ziel soll sein, unangekündigte Audits in den IFS Food Standard fest zu implementieren. Dieser Hygienecheck soll zusätzlich zum und unabhängig vom IFS-Standardaudit auf freiwilliger Basis von Unternehmen absolviert werden und bereits mit Auftragserteilung zum IFS-Standardaudit angemeldet bzw. beauftragt werden. Es findet innerhalb der Zertifikatslaufzeit statt und wird unabhängig von der für das IFS-Standardaudit verantwortlichen Zertifizierungsstelle durchgeführt. Werden die Ergebnisse des IFS-Standardaudits im Rahmen des Hygienechecks bestätigt, wird dies in der IFS Datenbank vermerkt und dem teilnehmenden Unternehmen schriftlich bekannt gegeben. Weicht das Ergebnis des Hygienechecks von dem Ergebnis des IFS Standardaudits ab, wird das IFS Integrity Program (IP) in Kraft gesetzt. Das IP wurde aus der Überzeugung geschaffen, dass ein Standard zusätzlich zur Arbeit der Akkreditierungsstellen die Qualität der Arbeit von Zertifizierungsstellen und Auditoren aus eigenem Antrieb kontrollieren muss. Im IFS Food Version 6 wurde es als fester Bestandteil des Standards integriert. Im Rahmen des IP überprüft der IFS die Einhaltung der im Rahmenvertrag zwischen IFS und Zertifizierungsstellen und der im Standard selbst vereinbarten Regeln vor Ort in den Geschäftsstellen. Es werden Kontrollaudits in zertifizierten Betrieben durchführt, ob die im Auditbericht dokumentierten Ergebnisse entsprechen und die Praktiken auch eingehalten werden.

„Der Fall Müller-Brot hat gezeigt, dass angekündigte Audits dort an ihre Grenzen stoßen, wo ein Betrieb, der eine „Show“ veranstaltet und Auditorenversagen zusammenkommen“ fasst Tromp die Hintergründe für das Projekt zusammen. „Um sicherzustellen, dass der IFS-Standard auch wirklich im Unternehmen gelebt wird und die Ergebnisse der IFS-Audits damit noch belastbarer sind, sprechen wir uns daher für freiwillige unangkündigte Hygienechecks aus. Damit versuchen wir eine Schnittstelle zwischen privater Eigenkontrolle und staatlicher Überwachung zu schaffen. Ich bin sicher, dass uns mit diesem Pilotprojekt ein erster wesentlicher Schritt in diese Richtung gelungen ist.“

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