MVV Energie baut Biomasse-Kraftwerk in England

Mannheimer Energieunternehmen investiert 140 Millionen Euro in neue Anlage südöstlich von London - Leichter Umsatzanstieg im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2012/13, Ergebnis auf Vorjahresniveau - Prognose bestätigt
(PresseBox) (Mannheim, ) Das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie (WKN: A0H52F, ISIN: DE000A0H52F5) baut im 30 Kilometer südöstlich von London gelegenen Industriehafen Ridham Dock ein neues Biomasse-Kraftwerk mit einer elektrischen Netto-Leistung von rund 23 MW. Wie der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns, Dr. Georg Müller, bei der Vorlage des Finanzberichts für die ersten sechs Monate des aktuellen Geschäftsjahres 2012/13 am Mittwoch in Mannheim mitteilte, investiert MVV Energie dafür rund 140 Millionen Euro: "Wir nutzen dabei unser hohes Know-how bei Technik und Betrieb, mit dem wir uns in Deutschland zu einem der Marktführer im Bereich der Biomasse entwickelt haben." Das Kraftwerk, mit dessen Bau im April begonnen wurde, soll im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen.

Als Brennstoff nutzt das Unternehmen Altholz aus dem regionalen Umfeld der Anlage. Pro Jahr werden dabei aus rund 172.000 Tonnen knapp 188 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.

Damit kann der Strombedarf von 60.000 Haushalten gedeckt werden. Daneben soll auch benachbarte Industrie durch Kraft-Wärme-Kopplung aus dem Kraftwerk mit Wärme versorgt werden.

"Wir investieren damit zum ersten Mal auch im Ausland in die Energieerzeugung aus Biomasse", betonte MVV-Vorstandschef Dr. Müller. Erst im letzten Jahr hatte das Mannheimer Energieunternehmen mit dem Bau einer thermischen Abfallbehandlungsanlage im südenglischen Plymouth begonnen und auch in der Tschechischen Republik, wo es bereits zu den führenden Fernwärmeversorgern gehört, ein abfallgefeuertes Heizkraftwerk in Liberec übernommen. "Entscheidend sind für uns wirtschaftlich attraktive Projekte mit verlässlichen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das ist in Großbritannien und in der Tschechischen Republik der Fall."

Mit dem neuen Kraftwerk in Ridham Dock setzt MVV Energie ihr strategisches Investitionsprogramm zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Stärkung der Energieeffizienz konsequent fort. Bis 2020 sollen dabei rund drei Milliarden Euro sowohl in Wachstum als auch in den Bestand der eigenen Anlagen und Netze fließen. Seit dem Start des Programms im Jahr 2009 hat das Unternehmen bereits fast zwei Milliarden Euro investiert. Dr. Müller: "Wir haben unser Ziel fest vor Augen und kommen mit unseren Zukunftsinvestitionen sehr gut voran."

Neben der Biomasse setzt MVV Energie dabei vor allem auf die Windkraft an Land sowie auf die umweltfreundliche Fernwärme. So hat die Unternehmensgruppe zu Jahresbeginn mit dem Erwerb der deutschen Onshore-Windparks des spanischen Energiekonzerns Iberdrola seine Windkapazitäten mit einer installierten Leistung von nunmehr 144 MW fast verdoppelt. Gleichzeitig errichtet das Unternehmen derzeit auf dem Gelände des Grosskraftwerks Mannheim den leistungsstärksten Fernwärmespeicher in Deutschland. Für den MVV-Chef sind das alles "Investitionen in die Zukunft, mit denen wir unser Unternehmen auf ein neues Energiesystem ausrichten, in dem erneuerbare Energien die Leitfunktion übernehmen werden".

Diese Übergangsphase wird nach den Worten von Dr. Müller aktuell durch politische Unsicherheiten und energiewirtschaftliche Umbrüche bestimmt. "Dass im Jahr einer Bundestagswahl kein Durchbruch bei den notwendigen Weichenstellungen zu erwarten war, ist zwar keine wirkliche

Überraschung. Gleichwohl wartet die gesamte Branche insbesondere auf die fällige Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) und die Grundlagen des neuen Markt Designs."

Den grundlegenden Umbau der Energieversorgung bezeichnete er als einen langwierigen Prozess mit großen Herausforderungen für Politik, Wirtschaft, Energieunternehmen und Gesellschaft.

Um die notwendigen Investitionen anzustoßen, müsse die Politik verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte Anreize schaffen. Dr. Müller: "Wir brauchen ein wettbewerbsorientiertes und kosteneffizientes Marktmodell, in dem sowohl konventionelle als auch erneuerbare Energien ihren Platz haben." Hocheffiziente konventionelle Kraftwerke werden nach Überzeugung des MVV-Vorstandsvorsitzenden auch in Zukunft benötigt, um die Schwankungen der Stromerzeugung aus Sonne und Wind auszugleichen.

Stabiles Ergebnis bei leicht gestiegenem Umsatz

Angesichts des schwierigen Marktumfelds und der zum Jahreswechsel wirksam gewordenen vollständigen Versteigerung der bisher frei zugeteilten CO2-Zertifikate zeigte sich der Vorstandsvorsitzende zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Unternehmens in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs 2012/13 (1. Oktober 2012 - 31. März 2013). So konnte MVV Energie den Außenumsatz im Halbjahresvergleich um 7 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro steigern und gleichzeitig das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted EBIT) mit 180 Millionen Euro auf Vorjahresniveau halten.

Positiv hat sich dabei auch der lang anhaltende kalte Winter ausgewirkt. Der Wärmeabsatz stieg dadurch im Vergleich zum vorhergehenden Winter unternehmensweit im Schnitt um rund 10 Prozent. Gleichzeitig ist es dem Mannheimer Unternehmen gelungen, seinen Umsatz in dem neuen Segment der Direktvermarktung erneuerbarer Energien über das sogenannte Marktprämienmodell um rund 70 Millionen Euro zu steigern. Dr. Müller: "Wir gehören damit zu den führenden Anbietern in diesem Bereich. Wir leisten damit nicht zuletzt auch wichtige Pionierarbeit bei der Marktintegration der erneuerbaren Energien." Bei der Direktvermarktung der Photovoltaik ist MVV Energie inzwischen sogar die Nr. 1 in Deutschland. Aktuell vermarktet das Unternehmen Strom aus Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 1.000 MW, was einem Drittel der direkt vermarkteten Leistung in Deutschland entspricht.

Belastet hat das Ergebnis zum einen der Wegfall des Ergebnisbeitrags der verkauften Anteile an den Stadtwerken Solingen sowie der niedrige Strompreis im Großhandel, der sich auch in einer anhaltend tiefen Stromerzeugungsmarge (Clean Dark Spread) ausdrückt. Daneben wirkte sich vor allem die Abnahme der Erlöse aus angelieferten Abfällen sowie die gesunkenen Erträge durch unvorhersehbare Schäden in Heizkraftwerken der Tochtergesellschaft MVV Umwelt zwischen Oktober und Dezember aus.

Prognose bekräftigt

Für das gesamte Geschäftsjahr 2012/13 bekräftigte die Unternehmensgruppe ihre eigene Prognose.

MVV Energie geht aus operativer Sicht für das Gesamtjahr weiter davon aus, beim Umsatz das hohe Niveau des Vorjahres von 3,9 Milliarden Euro etwas zu übertreffen. Beim Adjusted EBIT erwartet das Unternehmen insgesamt, dass es in der Größenordnung um rund 5 Prozent niedriger ausfallen wird als im Geschäftsjahr 2011/12, in dem es 223 Millionen Euro erreichte.

Dr. Müller: "Wir investieren weiter gezielt und in erheblichem Umfang, um erneuerbare Energien auszubauen, um mehr Energieeffizienz zu erreichen und tragen damit aktiv zum Umbau der Energieversorgung bei."
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