"Wir helfen, den Schmerz auszuhalten"

Freudenberg-Initiative "Wir tun was" unterstützt Notfallseelsorge Bergstraße
(PresseBox) (Weinheim, ) Ein siebzehnjähriger Jugendlicher darf sein Elternhaus mehrere Stunden nicht verlassen. Vor dem Haus liegt die ermordete Mutter und die Polizei sichert Spuren. Ein aufgeregter Vater sucht sein seit einer Nacht vermisstes Kind. Ein Mann ist bei einem Unfall gestorben und die Familie muss informiert werden. Es sind Grenzsituationen wie diese, in denen Hans-Dietrich Stolz von der Polizei, den Rettungsdiensten oder der Feuerwehr über die Zentrale Leitstelle Bergstraße gerufen wird. Denn Stolz ist einer von rund 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Notfallseelsorge Bergstraße, einer Einrichtung der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Hilfsorganisationen. Ziel ist es, Menschen in Krisensituationen zu begleiten und zu unterstützen. Das Team ist 365 Tage im Jahr im Einsatz, rund um die Uhr. Ein Mann und eine Frau begleiten einen Einsatz. Damit die Mitarbeiter an einer Weiterbildung zum Thema "Schuld" beim Bundeskongress Notfallseelsorge und Krisenintervention in Hamburg teilnehmen können, unterstützt die Freudenberg-Initiative "Wir tun was" den Förderverein Bergstraße mit einer Spende. "Das ist eine wichtige Unterstützung für unsere Arbeit", sagt Stolz. "Denn nur qualifizierte Seelsorger sind dieser anspruchsvollen Aufgabe auf Dauer gewachsen." Die Unterstützung von sozialen Projekten und Initiativen in den Städten und Gemeinden, in denen die Freudenberg Gruppe tätig ist, gehört zum Grundverständnis des Unternehmens. Freudenberg fördert gezielt soziale Projekte in Weinheim und der Region.

80 Einsätze als Notfallseelsorger hat Stolz inzwischen absolviert. Der gelernte Sozialpädagoge kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, er hat in seinem Leben als Kindergartenleiter, Beamter des Bundegrenzschutzes und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gearbeitet. Der Rentner hatte vor neun Jahren in einer Tageszeitung gelesen, dass Mitarbeiter für die Notfallseelsorge gesucht werden und sich gemeldet. "Wir sind für die Betroffenen so lange da, bis das soziale Netz greift", sagt Stolz. "Manchmal sind wir eine schweigende Stütze und helfen so, den Schmerz auszuhalten. Ein anderes Mal wird ein Gespräch gewünscht. Wichtig ist, dass wir mitfühlen, aber nicht mitleiden." Die Reaktionen auf eine Krisensituation seien unterschiedlich: Vom Schock, über Wut bis hin zum Verneinen des Geschehenen sei alles dabei. "Wesentlich ist, dass wir den Menschen Raum für ihre Gefühle geben, diese aber nicht verstärken."

Wie das funktioniert, lernen die Mitarbeiter in einer 70 Stunden dauernden Grundausbildung, die Gesprächstechniken, psychologisches Wissen und Übungen beinhaltet. Später besuchen sie Fortbildungen, beispielsweise zum Thema Stressbewältigung. Monatlich findet eine Einsatzbesprechung mit einem Psychologen statt. Dabei haben die Seelsorger die Möglichkeit, über den Einsatz und ihre Gefühle zu sprechen. Ziel ist es, die belastenden Erlebnisse gut aufzuarbeiten. "Mein Lohn ist die Wertschätzung der Menschen, die ich begleite", sagt der ehrenamtliche Helfer. "Einmal habe ich sogar einen Dankesbrief erhalten, das hat mich gerührt." Dank der professionellen Unterstützung und den Schulungen gelinge es ihm, gut mit den belastenden Situationen umzugehen. "Ich bin ein fröhlicher Mensch geblieben und habe gelernt, das Leben noch mehr zu schätzen." Woran ist zu erkennen, dass der Betroffene die Situation angenommen hat? "Wenn ein Mensch nach Stunden plötzlich fragt, wer ich bin, weiß ich, das Schlimmste ist überstanden. Denn er ist wieder in der Realität angekommen", erzählt Stolz. Nach dem Einsatz müssen die Helfer die Betroffenen und deren Geschichten wieder loslassen. Meist erfahren sie nicht, wie es mit den begleiteten Menschen weiter geht.

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