Trendbarometer Kreativwirtschaft 2013: Zukunftsaussichten variieren stark

Die zweite Umfrage unter den Kreativen im Südwesten sagt ein moderates Wachstum für die heterogene Branche voraus, dabei rückt die Work-Life-Balance mehr in den Fokus
(PresseBox) (Stuttgart, ) Anfang Mai 2013 ist die zweite Ausgabe des "Trendbarometer Kreativwirtschaft" der Hochschule der Medien Stuttgart und der MFG Innovationsagentur für IT und Medien erschienen. Die aktuelle Studie skizziert Trends und Zukunftsaussichten in der Kreativbranche im Land. Das Gesamtbild ist positiv, da eine Mehrheit der befragten Kreativunternehmen von gemäßigtem Wachstum ausgeht. Allerdings variieren die Aussichten der einzelnen Teilbranchen stark, auch vor dem Hintergrund des digitalen Wandels. Innovationsdruck und ein steigender Aufwand für die Neukundengewinnung bleiben die größten Herausforderungen. Zusätzlich gewinnt das Thema Work-Life Balance an Bedeutung. Das Trendbarometer steht hier zum Download bereit: www.kreativnetzwerk-bw.de

Vom Verlagswesen über Games bis zur Musikbranche - die Kreativwirtschaft ist breit aufgestellt in Baden-Württemberg. Mit rund 30.000 Unternehmen und einem Umsatzvolumen von über 20 Milliarden Euro gehört sie zu den größten und dynamischsten Wirtschaftszweigen des Landes. Das Trendbarometer Kreativwirtschaft wurde ins Leben gerufen, um ein Stimmungsbild dieser lebendigen Branche zu ermitteln und Zukunftstrends zu identifizieren. Auch die zweite Ausgabe, die im Mai 2013 veröffentlicht wurde, stieß auf reges Interesse unter den Kreativschaffenden. Es gab über 900 Zugriffe auf die Online-Umfrage und - wie im letzten Jahr - knapp 300 vollständig ausgefüllte Fragebögen.

Die Grundstimmung ist zunächst einmal positiv. Ein großer Anteil der Teilnehmer (44 Prozent) erwartet für die eigenen Teilbranche ein moderates Wachstum, eine Minderheit von fünf Prozent sogar überdurchschnittliches Wachstum. Allerdings sind die Aussichten je nach Teilbranche sehr unterschiedlich, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung. Während die Software- und Games-Industrie optimistisch in die Zukunft blickt (80 Prozent), sind die Erwartungen im Buchmarkt gedämpfter (30 Prozent).

Autoren der Studie sind Professor Martin Engstler, Johannes Lämmerhirt und Professor Holger Nohr vom Institut für Kreativwirtschaft der Hochschule der Medien Stuttgart. Die Trendstudie wurde im Rahmen des Netzwerks Kreativwirtschaft zusammen mit der MFG Innovationsagentur durchgeführt und vom Wirtschaftsministerium gefördert: "Die Ergebnisse des zweiten Trendbarometers bestätigen uns in unserer Förderungspolitik für die Kreativwirtschaft im Land", sagte Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid. Erst im April hat das Wirtschaftsministerium das Instrument der Innovationsgutscheine auf die Kreativwirtschaft ausgeweitet. Kleine Unternehmen und Freiberufler der Branche können sich darüber mit bis zu 5.000 Euro fördern lassen. "Gleichzeitig gibt die Studie wichtige Hinweise für künftige Aktivitäten und Maßnahmen", fügte er hinzu.

Drei zentrale Herausforderungen für Kreative im Südwesten

Drei Bereiche stuften die befragten Kreativen als besonders herausfordernd ein:

- Steigender Aufwand zur Kundengewinnung
- Allgemein schwierige Konjunktur- und Auftragslage
- Persönliche Work-Life-Balance bewahren

Seit der letzten Umfrage 2012 ist der Innovationsdruck noch gestiegen. Über die Hälfte der Befragten - 14 Prozent mehr als im Vorjahr - fühlen sich auf die kommenden Herausforderungen noch nicht genügend vorbreitet. Es sind noch ein paar "Hausaufgaben" zu erledigen, bevor die Unternehmen den zukünftigen Veränderungen gelassen entgegen blicken können.

Fachkräftesicherung durch mehr Work-Life-Balance

Neben den fachlichen Aufgaben bewegt zunehmend die persönliche Work-Life-Balance die Kreativen. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Drucks fällt vor allem kleineren Unternehmen eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben schwer. Atypische Arbeitsverhältnisse sind in der Kreativwirtschaft üblich und lassen die Grenzen zwischen den Sphären verschwimmen. Gerade Selbstständige müssen sehr flexibel reagieren und können ihre kreativen Ideen und Projekte auch in der Freizeit nicht einfach hinter sich beziehungsweise im Büro lassen.

Der Studie zufolge sind die Kreativschaffenden zwar mit den Ausbildungsmöglichkeiten im Land sehr zufrieden, allerdings werden Berufseinsteigern in der Kreativbranche selten feste Verträge angeboten. Professor Engstler, Mitautor des Trendbarometers, warnt: "Wenn selbst herausragende Nachwuchskräfte um ihre Beschäftigung bangen müssen, dann besteht die Gefahr der Abwanderung von gut ausgebildeten Kreativen. Die Kreativunternehmen müssen sich fragen, ob die durch atypische Beschäftigungsverhältnisse gewonnene Flexibilität sich langfristig auszahlt, wenn junge Talente nicht gebunden werden". Derzeit erwarten die Studienteilnehmer hier keine strukturelle Veränderung.

Klassische Dienstleistungen auch nach der digitalen Wende

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich die Kreativbranche besonders stark. Viele neue Leistungsangebote und digitale Services werden geschaffen und geradezu "gehyped". Die Kreativschaffenden selbst sehen diese Entwicklung inzwischen etwas entspannter. Für sie spielt der Ausbau neuer Leistungsangebote eine geringere Rolle als im Vorjahr (40 statt 60 Prozent).

Lediglich 18 Prozent sind der Meinung, dass nicht-digitale Leistungen an Bedeutung verlieren. Das heißt, bestehende kreative Leistungen werden weiterhin die Wirtschaftsgrundlage bilden und das Altbewährte somit nicht aufgegeben, auch wenn die Bedeutung der Digitalisierung für Innovationen und Wachstum unbestritten bleibt. Es zeichnet sich also ab, dass digitale Services die klassischen nicht verdrängen, sondern beide nebeneinander existieren werden.

Weiterführende Links:
www.kreativnetzwerk-bw.de | www.innovation.mfg.de

Über das Netzwerk Kreativwirtschaft Baden-Württemberg

Das Netzwerk Kreativwirtschaft Baden-Württemberg stärkt mit insgesamt 17 Projektpartnern sowie 30 Netzwerk- und 100 weiteren Unternehmenspartnern die Kreativwirtschaft im Südwesten. Ziel der landesweiten Initiative ist es, die Teilbranchen besser zu vernetzen und den interdisziplinären Dialog auszubauen. 2013 wurde sie vom European Secretariat for Cluster Analysis (ESCA) für ihre Leistung mit dem Cluster Management Excellence Label in Bronze ausgezeichnet. Das Netzwerk wird vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg mit Mitteln des Europäischen Strukturfonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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