Erfolgreicher Praxistest zum Schutz von Güterverkehrszentren und Logistikknoten bei Störungen

Forschungsprojekt PreparedNET präsentiert Logistikunternehmen bei Testläufen in Bremerhaven die Möglichkeiten des entwickelten Demonstrators
Projektvisual PreparedNET (PresseBox) (Bremen, ) Auf der Zielgeraden der insgesamt auf drei Jahre angelegten Projektlaufzeit kann das Konsortium des Verbundvorhabens PreparedNET, das durch das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) koordiniert wird, einen weiteren Erfolg vermelden. Bei den Testläufen Mitte Mai in Bremerhaven überzeugten sich Unternehmensvertreter von den vielversprechenden Ergebnissen des Forschungsprojekts. Kern von PreparedNET, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im nationalen Sicherheitsforschungsprogramm (Forschung für die zivile Sicherheit - Sicherung der Warenketten) gefördert wird, ist die Erarbeitung eines Notfallkonzeptes zur Aufrechterhaltung der Warenflüsse nach Störereignissen in Güterverkehrszentren.

Innerhalb der logistischen Infrastruktur Deutschlands übernehmen Güterverkehrszentren (GVZ) als Logistikknoten wichtige Aufgaben bei der Warenversorgung. In einem GVZ werden unterschiedliche Verkehrsträger (z.B. Straße, Schiene, Wasserwege) und Akteure zusammengeführt und vernetzt. Zu den Akteuren zählen unter anderem Speditionen, Lagerbetreiber, Dienstleistungsbetriebe und logistikintensive Industrie- und Handelsbetriebe. Die daraus resultierende Komplexität wird durch wachsende Volumenströme und Variantenvielfalt der Güter erhöht. Bei einem Schadenseintritt innerhalb eines GVZ kann es regional, national und sogar international zu Produktionsausfällen und zu Versorgungsengpässen für die Industrie, den Handel und die Bevölkerung kommen. Das dem Vorhaben PreparedNET zugrunde liegende Sicherheitsszenario geht von einer Störung eines GVZ durch terroristische Handlungen sowie durch allgemeine unvorhersehbare Schadensereignisse aus. Das Ziel von PreparedNET besteht in der Konfiguration eines Notfallkonzeptes zur Aufrechterhaltung der Warenflüsse auch im Falle einer erheblichen Störung. Durch das Notfallkonzept soll ein Notbetrieb sofort nach Schadenseintritt möglich werden.

Zu diesem Zweck wird im Rahmen des Projektes ein webbasierter Demonstrator erstellt, der auf der sogenannten Multiagententechnologie beruht. Die Funktionsweise des entwickelten Systems konnten Vertreter der in den Güterverkehrszentren Bremen beziehungsweise Dresden tätigen Unternehmen ACOS Group, ITL Eisenbahngesellschaft mbH, Emons Spedition GmbH und Heinrich Langhorst GmbH & Co. KG im Lage- und Führungszentrum der Hochschule Bremerhaven testen. In den speziell für die Simulation von Schadensereignissen konzipierten Räumlichkeiten wurden die Unternehmensvertreter mit praxisrelevanten Szenarien konfrontiert. Ein zugrunde liegendes Szenario war dabei beispielsweise, angelehnt an eine tatsächliche Begebenheit im GVZ Bremen im Oktober 2011, eine Störung der Schienenanbindung durch die Kollision zweier Güterzüge. In den Testläufen wurden die Anwender durch den Demonstrator über den Unfall und die damit einhergehenden Konsequenzen für ihre jeweiligen Warenflüsse informiert. Das entwickelte System unterstützte die Testnutzer anschließend bei der Initiierung und Aufrechterhaltung der Warenflüsse durch eine partizipative sowie dynamische Planung und Steuerung ihrer schadensspezifisch verbleibenden Kapazitäten. Um die Komplexität des Abgleichs zwischen Logistikkapazitätsangebot und -nachfrage der einzelnen Unternehmen im GVZ möglichst realistisch zu testen, wurden zusätzlich Unternehmen im Test durch Projektpartner repräsentiert. Im Verlauf eines Schadensszenarios wurden zudem weitere Informationen zur Entwicklung der Störung über die Oberfläche des Demonstrators den Nutzern übermittelt, um auch die Stärken des Systems bei kaskadierenden Szenarien zu präsentieren. Ein Beispiel hierfür war die Verzögerung der Bergung eines Zuges durch unerwartete Komplikationen und die hierdurch entstehende Verlängerung der Szenariolaufzeit. Die Testläufe konnten aufzeigen, dass im Falle eines Schadens betroffene Logistikdienstleister mit Hilfe des Systems flexibel benötigte Transport- und Umschlagskapazitäten über ein Webportal miteinander kommunizieren und verhandeln können, das heißt entsprechend dem Angebot und der Nachfrage nach Kapazitäten auf andere Akteure und Verkehrsträger ausweichen können und so Versorgungsengpässe zu vermeiden sind.

Die anwesenden Vertreter der Unternehmen zeigten sich überzeugt, dass die agentenbasierte Methodik in Verbindung mit der webbasierten Oberfläche zur Umsetzung von Notfallkonzepten in Logistikknoten der richtige Weg ist und bewerteten den bisherigen Entwicklungsstand des Demonstrators als durchweg positiv. In den verbleibenden Projektmonaten soll nun das konstruktive Feedback der Testnutzer zur praxistauglichen Optimierung der Anwendung implementiert werden. Weiterhin gilt es, den Güterverkehrszentren und Logistikknoten die vielversprechenden Möglichkeiten von PreparedNET aufzuzeigen und die Ergebnisse zu kommunizieren.

Das Projekt PreparedNET hat eine Laufzeit bis August 2013. Neben dem ISL und den genannten Unternehmen wirken am Projekt das Deutsche Institut für Normung, die LUB Consulting GmbH sowie die Hochschule Furtwangen mit. Weitere Projektpartner sind die GVZ Entwicklungsgesellschaften Bremen und Dresden. Durch die Einbindung der Feuerwehr Bremen, der Deutschen GVZ Gesellschaft und verschiedener GVZ Akteure als Endnutzer werden die Berücksichtigung der Anwenderanforderungen sowie eine realitätsnahe Ausrichtung der Forschungsarbeiten als auch eine breitenwirksame Ergebnisvermittlung gewährleistet.

Kontakt

Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL)
Universitätsallee 11-13
D-28359 Bremen
Guido Kille
Logistische Systeme

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