TÜV SÜD-Tipp: Was Pestizid-Rückstände für Verbraucher bedeuten

Rückstandsbelastung bei Lebensmitteln
(PresseBox) (München, ) Nur 11 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen sind Ackerland. Ungünstige Wetterbedingungen, Austrocknung, Versalzung und Klimawandel bedrohen Ernteerträge noch zusätzlich. Um die Nahrungsversorgung der 7 Milliarden Menschen zu sichern, werden weltweit Pestizide eingesetzt. Die Lebensmittelexperten von TÜV SÜD erläutern die Rückstandsbelastung unserer Lebensmittel und geben Tipps zum jahreszeitlich orientierten Einkauf.

Pflanzenschutzmittel, so genannte Pestizide, sind ein wichtiges Mittel, um maximale Ernteerträge zu erhalten. In der EU sind derzeit etwa 500 Einzelsubstanzen zugelassen, die unterschiedlichste Wirkspektren haben können. Die größte Stoffgruppe bilden die Herbizide, die den Wuchs unerwünschter Pflanzen unterdrücken. Fungizide schützen vor Pilzbefall, Insektizide vor schädlichen Insekten. Einzelne Substanzen sind auch für den biologischen Landbau zugelassen.

Da die unsachgemäße Anwendung für Mensch und Umwelt weitreichende Folgen haben kann, unterliegen Pflanzenschutzmittel innerhalb der EU in Zulassung, Verkauf und Einsatz klaren gesetzlichen Bestimmungen. Die Rückstandshöchstgehalte in Lebens- und Futtermitteln werden in Deutschland stetig beobachtet. Untersucht werden die Produkte so, wie sie in den Handel kommen, inklusive Schale und ohne Waschen oder Reinigung.

"Die Daten des staatlichen Monitorings zeigen bis auf sehr wenige Ausnahmen, dass Rückstände von Einzelsubstanzen in der Regel kein besorgniserregendes Gesundheitsproblem für die Bevölkerung sind", sagt Dr. Andreas Daxenberger, Lebensmittelexperte bei TÜV SÜD. Zum Beispiel wertet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit tausende Daten aus den Bundesländern von Proben aus Handel, Erzeugung und Importeuren aus.

Aktuell wurden insgesamt mehr als 17.000 Proben auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Erdbeeren, Tafeltrauben, Blattsalate und andere Lebensmittel, die in der Vergangenheit schon mal auffällig geworden sind, wurden häufiger geprüft. Insgesamt 38,5 Prozent der Proben waren im Durchschnitt ganz ohne nachweisbare Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Dagegen waren in 58,3 Prozent der Proben Rückstände, jedoch unter dem zulässigen Höchstgehalt. 3,2 Prozent der Proben lagen über dem definierten Höchstgehalt, der aber noch kein Gesundheitsrisiko bedeutet. Die Anteile an Höchstmengenüberschreitungen haben in den letzten Jahren abgenommen. Bei Kartoffeln, Spargel, Zwiebeln, Blumenkohl, Brokkoli und anderen Kohlsorten sind Rückstande aus Pflanzenschutzmitteln heute unbedeutend. Ebenso bei Kleinkindernahrung und Bio-Lebensmitteln. Für die Ökoprodukte ist das Bild in Bezug auf die Pestizide noch günstiger als im konventionellen Bereich. Wer konkrete Daten zu Rückstandsuntersuchungen haben möchte, kann sie über die Lebensmittelüberwachungsbehörden seines Bundeslandes erfahren.

Aber Einzelsubstanzen sind nur eine Seite der Medaille. "Bei der Vermeidung und gesundheitlichen Bewertung von mehreren Pflanzenschutzmittelrückständen in einem Lebensmittel gibt es noch Forschungsbedarf", sagt Daxenberger. Ziel soll sein, die Wirkung von Mehrfachrückständen auf die Gesundheit des Menschen zu verstehen. Werden Pflanzen oder Boden mit mehreren unterschiedlichen Pestiziden behandelt, kann sich dieses Spektrum auch im Endprodukt niederschlagen. Wie sich diese Mehrfachrückstände reduzieren lassen, wird derzeit von den europäischen Sicherheitsbehörden diskutiert.

Aus Sicht einer vielseitigen und gesunden Zusammenstellung der Ernährung sind Obst und Gemüse das ganze Jahr über empfehlenswert. Durch gezielten saisonalen und regionalen Einkauf kann der Verbraucher Rückstandsbelastungen kaum beeinflussen, da hinsichtlich der Rückstände keine pauschalen Angaben zu regionalen und nationalen Unterschieden möglich sind. Wer den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren möchte, kann Ökoprodukte kaufen. Und ein Mix aus ökologisch oder konventionell produziertem Angebot ist heute ja schon fast Standard im Handel.

Bei Obst und Gemüse empfiehlt sich bereits aus Gründen der Lebensmittelhygiene ein gründliches Waschen unter fließendem Wasser. Bei weniger empfindlicher Oberfläche ist auch das Abreiben mit Gemüsebürste oder Mikrofasertuch ratsam. Zumindest Rückstände von oberflächlich verabreichten Substanzen auf der Schale können so teilweise verringert werden. Bei Blattsalaten sollten die äußeren Blätter entfernt werden. Wer die Schale von Zitrusfrüchten einsetzt, sollte lieber auf Bio-Ware zurückgreifen, denn der Vermerk 'unbehandelt' bezieht sich nur auf den Nicht-Einsatz von Schalenbehandlungsmitteln.

Mehr Informationen zu den Dienstleistungen von TÜV SÜD für sichere Lebensmittel gibt es unter www.tuev-sued.de/....

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