Switchen zwischen den Welten: Die Schauspielerin und erfolgreiche IT-Managerin Doreen Jacobi

Gesichter der IT in der Hauptstadtregion
Doreen Jacobi. Foto: Ines Weitermann/ Presse & Marketing (PresseBox) (Berlin/ Potsdam, ) Informations- und Telekommunikationstechnologien der Hauptstadtregion haben sich zu einer der branchenübergreifenden Schlüsselindustrien entwickelt. Im Fokus der Öffentlichkeit standen bisher die Lösungen, Dienstleistungen und Services. Der SIBB e.V. als Branchenverband der IT-Wirtschaft in Berlin und Brandenburg stellt künftig mit der Serie „Gesichter der IT in der Hauptstadtregion“ die Menschen hinter den Dienstleistungen und Lösungen vor. Persönlichkeiten, die mit ihrer Arbeit heute alle Wirtschaftsbereiche, aber auch das öffentliche Leben und den privaten Bereich, direkt beeinflussen und Herausragendes leisten: „Die IT und die Softwarewelt ist längst nicht so abstrakt wie viele noch immer denken. Dahinter stehen Charaktere mit den unterschiedlichsten Geschichten, die eines eint: Prozesse, Vorgänge und Abläufe zu optimieren, zu vereinfachen und Datensicherheit zu schaffen“, so René Ebert, Geschäftsführer des Verbandes. „Diese zu erzählen, ihre Ansichten und Motivationen der Tätigkeit in der IT-Wirtschaft darzustellen, soll das Verständnis für ihre Arbeitswelt wecken und andere motivieren, selbst eine berufliche Perspektive in dieser Zukunftsbranche zu suchen.“

New York, London, Paris, Madrid, Sydney… Als Model und Schauspielerin schritt Doreen Jacobi über die roten Teppiche der Welt. Den deutschen Zuschauern ist sie unter anderem aus der Fernsehserie „Unser Lehrer Doktor Specht“ oder „Helicops“ bekannt. Auch im letzten Jahr stand die Potsdamer Unternehmerin, die inzwischen eine erfolgreiche IT-Managerin ist, für die ZDF-Produktion „Zwischen den Zeiten“, einer deutsch deutschen Geschichte auf der Basis der Rekonstruktion von Millionen zerrissener Stasiakten, gemeinsam mit Sophie von Kessel und Benjamin Sattler vor der Kamera.

Besonders spannend für Jacobi – der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Denn die Software, die solche Stasi-Schnipsel auf der Basis eines entwickelten Algorithmuses wiederherstellen kann, wurde vom Frauenhofer Institut IPK in Berlin entwickelt und geschrieben. Da Doreen Jacobi und den verantwortlichen Abteilungsleiter, Dr. Bertram Nikolai, eine lange Freundschaft verbindet, war dies für sie natürlich ein ganz besonderes Filmprojekt.

Im Herbst soll der Film im ZDF ausgestrahlt werden. Für Jacobi nicht nur schauspielerisch ein Heimspiel: Das Thema war ihr als ITlerin auf den Leib geschneidert. Denn während vieler ihrer Schauspielkollegen Drehbücher schreiben oder Regie führen, hat ihr zweiter Berufsweg sie in die IT geführt. Doch wie geht die glamouröse Welt mit der oft nüchtern dargestellten IT-Welt zusammen? Wie steht sie als Frau seit vielen Jahren ihren „Mann“? Was reizt sie an einer Berufswelt, die noch immer männerdominiert scheint?

„Ich habe damals bereits erkannt, dass in Zukunft weniger gedreht werden würde. Also wollte ich etwas „Seriöses“ machen und nicht zwischen den Dreh´s auf das nächste Angebot warten.“ Ihre Voraussicht gab ihr Recht, mit der Finanzkrise 2008 verstärkte sich dieser Trend noch. Ihren Einstieg in die Welt der IT sieht sie heute ganz unspektakulär, ihre ersten Kontakte knüpfte sie durch die Übersetzung von Software-Handbüchern. 1999 gründete Doreen Jacobi gemeinsam mit zwei weiteren Partnern die Firma Derdack, ein IT-Hersteller, der Unternehmenssoftware für die automatisierte Alarmierung per Sprache, SMS, IM, Email und Push sowie Smartphone Apps zur schnellen, mobilen Störfallreaktion und -behebung entwickelt. Ursprünglich für den Aufbau des Teams und das Personalmanagement zuständig, leitet Doreen seit 2002 den internationalen Vertrieb und das erfolgreiche Partnerprogramm von Derdack. Inzwischen betreut das Potsdamer Unternehmen, das im IT-Branchenverband der Hauptstadtregion SIBB organisiert und engagiert ist, Kunden in über 50 Ländern.

Um sattelfest zu sein, machte sie von 2008 bis 2011 nebenberuflich ihren MBA in Informationstechnologie an der Universität des Landes Brandenburg in Potsdam. Jacobi graduierte mit Magna Cum Laude.

Sie will mit Vorurteilen über die IT-Welt aufräumen: „Der Umgang mit digitalen Inhalten, Programmen oder Abläufen ist doch inzwischen ein ganz selbstverständlicher. In einer Zeit, in der quasi jeder überall digital ist, Bausteine für digitale Produkte und Dienstleistungen so allgegenwärtig sind, sollte auch jeder verstehen, was IT ist und wie die Branche tickt. Ihrer Meinung nach sind die Vorurteile eher ein mediales Problem, denn die Einstellung Branchenfremder gegenüber der IT hat sich in den letzten fünf Jahren doch deutlich zum Positiven verändert. Jeder wisse, dass es nicht mehr ohne geht, entscheidend sei, wie man damit umgeht.

Die Erfahrungen aus der Schauspielerei nutzt sie auch in ihrem „zweiten“ Leben. Dabei unterscheiden sich aus ihrer Sicht die scheinbar so verschiedenen Welten gar nicht so sehr voneinander und gerade für Frauen sieht sie in derIT als Tätigkeitsfeld vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten: „Ich bin ein gutes Beispiel dafür. Wir Frauen erfassen vieles intuitiv, wirken vermittelnd, beobachten sehr genau -das kommt einem in der IT zugute. Frauen verfügen über viele wichtige Grundeigenschaften, sie sehen anders, ihre emotionale Stärke ist ein nicht zu unterschätzendes Plus im Geschäftsleben. Viele Netzwerke überschneiden sich. Und genau wie in der Schauspielerei oder in der Modelwelt präsentiere ich im täglichen Berufsalltag ein Produkt“. Aus der Schauspielerei nutzt sie auch die Erfahrungen, die der Umgang mit den verschiedensten Menschen mit sich bringt, das sich Einlassen auf neue Umstände und unterschiedliche Charaktere. „Das deckt sich mit meinem Arbeitsalltag in der IT“.

Mit Energie und Vehemenz bricht sie eine Lanze für die hervorragenden Perspektiven der Branche gerade für Frauen: Sie ist überzeugt, dass jemand, der den Weg in die IT-Wirtschaft geht, ein innovativer Vorreiter ist. Dennoch kennt die 40-Jährige auch die Vorurteile, mit denen Frauen in technischen Wirtschaftsbereichen umgehen müssen. Ihnen die technische Kompetenz per se abzusprechen, findet sie überholt und gestrig, es regt sie auf, „dass man Frauen eine solchen Sachverstand nicht zutraut.“ Ihr Tipp an das weibliche Geschlecht: “Auf keinen Fall soll man versuchen, bewusst stärker zu wirken als ein Mann, das kann nur nach hinten losgehen. Wichtig ist es, bei sich zu bleiben und vor allem auf eine geradlinige Kommunikation zu achten.“

Aus ihrer Sicht bietet gerade die IT-Wirtschaft für das weibliche Geschlecht so vielfältige Arbeitsmöglichkeiten wie keine andere Branche: „Wer sich für die Arbeit mit Menschen begeistert, im Team arbeiten will, ist hier genau richtig. Um IT-Systeme zu konzipieren, muss man mit Menschen reden, sie verstehen, wofür die Lösungen gebraucht werden. Und keine Branche ist so weltumspannend wie die der IT. Die Welt wird einem auf dem Tablett präsentiert, das kann selbst die Schauspielerei nicht bieten“. Und so erlebt man Doreen Jacobi auch an diesem ganz normalen Freitag in kurz aufeinanderfolgenden Video- und Telefonkonferenzen im Gespräch mit weiteren Kollegen und unterschiedlichsten Kunden. Obwohl in diesem Moment gut 500 km zwischen Kunde und dem Derdack-Team liegen, herrscht eine entspannte Atmosphäre, bei dem Lösungen präsentiert und hinterfragt werden. Ganz praktisch erlebt man als Zuhörer, dass es nicht um ein „IT-Hexenwerk“ geht, sondern ganz bestimmte Anforderungen des Kunden durch die Software erfüllt werden. In klarer Sprache, logisch, praktisch und verständlich. Bereits am nächsten Tag steigt sie in den Flieger nach Amerika. In Richmond/ Virginia wird sie schon bald die Geschäftsführung der neu gegründeten Derdack Corporation übernehmen. In der Anfangsphase wird sie alle sechs Wochen nah bei den amerikanischen Kunden in der Niederlassung sein. Dabei Potsdam den Rücken ganz zu kehren, schließt sie jedoch vehement aus!

Doreen Jacobi weiß um die Vorzüge, die ihr zweites Standbein bietet. Neben dem internationalen Aspekt, auch den des Reisens, schätzt sie die Flexibilität in der Tagesplanung. So kann sie auch aus interessanten Filmprojekten auswählen, denn ihre Managementtätigkeit für Derdack kann sie überall auf der Welt, auch in den Drehpausen, realisieren. Ihr liegt am Herzen, junge Frauen wissen zu lassen, dass es gerade in der IT keine Grundsatzentscheidung sei, zwischen Karriere oder Kind zu wählen. „Hier geht beides – und das bei fast allen Arbeitgebern, die ich kenne. Die flexiblen Arbeitszeitmodelle lassen viel Raum für eine Familie. Das schafft Zufriedenheit, Spaß und Erfüllung.“ Allerdings hat auch sie die Erfahrung gemacht, dass es schwer ist, Nachwuchs zu finden, egal welchen Geschlechts. In diesem Zusammenhang findet sie die Diskussionen um die Frauenquote fatal. Eine solche Quotenregelung ist ihrer Meinung nach ein völlig falsches Signal. Dabei unterstützt sie andere Ansätze zur Lösung des Problems: Sie lobt den Frauenstudiengang für Informatik und Wirtschaft an der HTW in Berlin. Hier wird Frauen grundsätzlich die Angst vor der IT genommen. Die Verbindung von sozialen, methodischen und kommunikativen Schwerpunkten mit den IT-bezogenen Inhalten findet sie herausragend und unbedingt nachahmenswert.

Die Unternehmerin und Schauspielerin wird wohl auch in Zukunft zwischen den beiden Welten switchen. Wobei sie schon den Eindruck macht, dass die IT nach nunmehr 15 Jahren ein Grund sein könnte, die Schauspielerei ganz an den Nagel zu hängen… Denn eines macht sie klar: Sie hat hier ihre Erfüllung gefunden und ist glücklich.

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