"Mehr Profil, weniger Breite" - Ingenieurwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre stärken

IHK und HWK legen gemeinsames Positionspapier zur künftigen Entwicklung der Saar Hochschulen vor
(PresseBox) (Saarbrücken, ) "Das Saarland braucht auch in Zukunft leistungsfähige Hochschulen mit überregionaler Ausstrahlung", so die zentrale Botschaft der Hauptgeschäftsführer von IHK und HWK, Volker Giersch und Georg Brenner in einem Positionspapier zur Entwicklung der Hochschullandschaft im Saarland. Beide Kammern betonen: "Die Hochschulen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie bringen Studenten ins Land und bilden den dringend benötigten akademischen Nachwuchs aus." Dies sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus seien die Hochschulen ergiebige Quelle für Unternehmensgründungen und gäben der regionalen Wirtschaft vielfältige Impulse über Wissens- und Technologietransfer. Zusammen mit den Forschungsinstituten seien die Hochschulen weithin sichtbare "Leuchttürme", die wesentlich zur Attraktivität des Landes beitragen.

Angesichts der reduzierten Zuwendungen des Landes sei es eine riesige Herausforderung für Politik und Hochschulen, die Hochschullandschaft attraktiv zu halten. Bestrebungen von Interessengruppen, die Kürzung des Hochschuletats grundsätzlich infrage zu stellen, seien dabei aus Sicht von IHK und HWK nicht hilfreich. "Eine Analyse der Landesfinanzen macht in aller Klarheit deutlich: Mehr als die avisierten 205 Millionen Euro kann sich das Land für die Hochschulen nicht leisten. So wünschenswert ein größerer Etat auch wäre, mit dem Zwang, die Landesfinanzen zu konsolidieren, ist er schlichtweg nicht kompatibel", so Giersch.

IHK und HWK sehen zu dem vom Wissenschaftsrat vorgeschlagenen Kurs "Mehr Profil, weniger Breite" keine vernünftige Alternative. Bei Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip würden UdS und HTW schleichend an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Sie würden im europaweiten Wettbewerb über kurz oder lang ins Abseits geraten. Das Land würde sich dann der Chance berauben, über attraktive Studienangebote kluge Köpfe von außen zu gewinnen und sie der hiesigen Wirtschaft als Nachwuchskräfte zuzuführen. "Bei der Entscheidung über künftig Schwerpunkte in Forschung und Lehre halten wir es daher für richtig und geboten, den absehbaren Bedarf des Landes und seiner Wirtschaft als vorrangiges Kriterium heranzuziehen. Denn Studiengänge, die sich am Bedarf der Wirtschaft orientieren, gehen mit hohen Wachstums- und Beschäftigungseffekten vor Ort einher. Sie sind gerade in Zeiten des Fachkräftemangels von großer standortpolitischer Bedeutung", so die beiden Hauptgeschäftsführer.

Mit Blick auf ihren akademischen Nachwuchs benötigt die Saarwirtschaft insbesondere Ingenieure und Betriebswirte. Entsprechend wichtig ist aus Sicht von IHK und HWK daher ein attraktives und differenziertes Angebot an ingenieurwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Studiengängen hier im Land. Beide Bereiche böten zudem gute Chancen, Studierende von außerhalb ins Land zu ziehen. Benötigt werden dabei sowohl Absolventen mit Uni-Abschluss, also mit stärker grundlagenorientierter Ausbildung, als auch solche mit Fachhochschulabschluss, die eher anwendungsorientiert ausgebildet sind.

"Weil Absolventen beider Fachrichtungen für die Wirtschaft so wichtig sind, sprechen wir uns mit Nachdruck dafür aus, hier - sofern überhaupt - nur unterproportional zu sparen. Effizienzgewinne und Synergien sollten vorrangig genutzt werden, um Qualität und Strahlkraft zu verbessern", so Giersch und Brenner. Entgegen den Empfehlungen des Wissenschaftsrates plädieren IHK und HWK dafür, den Masterstudiengang Maschinenbau an der Saar-Uni zu erhalten.

Neben Ingenieuren zählen Betriebswirte zu den akademischen Nachwuchskräften, die in der Saarwirtschaft am stärksten benötigt werden. "Entscheidend ist deshalb, dass bei hochschulübergreifenden Studienangeboten im Bereich BWL Differenzierung und Attraktivität der Abschlüsse nicht leiden. Sofern kooperative Lösungen ins Auge gefasst werden, sollten sie entsprechend ausgestaltet sein", so Brenner. Das bedeutet im Einzelnen:

Eine kooperative Struktur müsse in jedem Fall eine Bachelor-Ausbildung bieten, die sowohl einen anwendungsorientierten als auch einen grundlagenorientierten Ast hat und damit auch attraktiv ist für Studenten, die einen Uni-Abschluss anstreben. Nur so könne es gelingen, in größerer Zahl Nachwuchskräfte auch von außen ins Land zu ziehen und diese über Praktika, kooperative Studiengänge oder gemeinsame Studienarbeiten mit Unternehmen an den Standort und die heimische Wirtschaft zu binden.

Im Master-Bereich seien ebenfalls differenzierte Studiengänge erforderlich - vor allem solche, die in nationalen Rankings im oberen Drittel liegen und damit auch für Bachelor-Absolventen anderer deutscher Hochschulen interessant sind. Bei der Ausgestaltung des Studienangebots solle eine Verbundlösung stark auf Internationalität setzen und dazu eng mit renommierten Hochschulen im europäischen Ausland kooperieren.

Mit Blick auf die Hochschulverwaltungen muss die Landesregierung umfassend prüfen, wie sich hier - auch durch Kooperations- oder gar Fusionslösungen - Synergien und Effizienzreserven heben lassen. Bei Klärung dieser Frage sollten die Hochschulverwaltungen aller saarländischen Hochschulen mit ins Bild genommen werden. Denn es gelte: Je mehr in der Verwaltung gespart werden kann, desto mehr Mittel bleiben für Forschung und Lehre.

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