Zuhausekraftwerk gescheitert – Lichtblick und VW gehen getrennte Wege

Das vor 5 Jahren mit hochgesteckten Zielen begonnene Projekt eines Volks-BHKW ist nach vielen Rückschlägen gescheitert. Lichtblick erwägt eine Schadenersatzklage gegen VW und wird voraussichtlich mehr als 10% seines Personals abbauen.
Die Kooperation zwischen dem Ökoenergieanbieter Lichtblick und dem Automobilkonzern Volkswagen in Bezug auf das Volks-BHKW „Zuhausekraftwerk“ ist gescheitert (Bild: Lichtblick AG / Manfred Witt) (PresseBox) (Rastatt, ) Ein neues Zeitalter sollte nach Aussagen der Marketingfachleute des Unternehmens Lichtblick beginnen, als am 9.9.2009 die Kooperation mit Volkswagen in einer Pressekonferenz verkündigt wurde. 100.000 BHKW-Anlagen wollte man binnen weniger Jahre installieren, die auch in Einfamilienhäusern hocheffizient Strom und Wärme erzeugen und mittels einer intelligenten Steuerung als „Schwarm“ die natürlich vorbestimmten Schwankungen der Wind- und PV-Anlagen ausgleichen sollten. Für eine geringe Investition sollte der Gebäudebesitzer von günstigen Wärmekosten profitieren.

Großes Presseecho und Anlaufschwierigkeiten
Das Presseecho auf das „Volks-BHKW“ war grandios und die Meldung über das neue Zuhausekraftwerk mit Schwarmstrom-Intelligenz schaffte es bis in die Tagesschau. Ursächlich für das große Medienecho war sicherlich auch die Tatsache, dass mit VW ein Großkonzern aus der Automobilindustrie maßgeblich am Projekt beteiligt war. Eine eigene Fertigungsstraße wurde im Werk in Salzgitter aufgebaut und ein VW-Motor im Aggregat verbaut.
Bereits von Beginn an geriet das Projekt ins Stocken. Einerseits gab es Probleme bei der technischen Umsetzung der BHKW-Anlage und bei der Einbindung in die jeweiligen Gebäude. Andererseits konnten die vielen Anfragen nicht zeitnah befriedigt werden. Erst ein Jahr später fanden die ersten Kraftwerke ihr Zuhause. Der Vertrieb erfolgte eher schleppend.
Die größten Probleme bereitete aber das Schwarmstromkonzept selbst:
Die BHKW sollten mit großen Wärmespeicherkaskaden ausgestattet möglichst in den Stunden laufen, in denen hohe Strompreise an der Börse erzielbar waren. Aufgrund des an Fahrt gewonnenen Ausbaus erneuerbarer Energien – und hierbei insbesondere der Photovoltaik – kam es aber zu einem deutlichen Strompreiseinbruch an der Strombörse. Damit war dem dem Konzept das zentrale Element, nämlich die Erzielung zusätzlicher Einnahmen durch höhere Stromerlöse, abhandengekommen.
Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Verkaufszahlen klaffte immer weiter auseinander. Angesichts der Tatsache, dass VW als Automobilkonzern mit der Erwartung hoher Stückzahlen in das Projekt eingestiegen war, barg diese Konstellation über kurz oder lang ein hohes Konfliktpotential in sich.
Nachdem bis Oktober 2012 – also mehr als drei Jahre nach der Pressekonferenz – gerade einmal 600 Zuhausekraftwerke ihren Weg in den Heizungskeller gefunden hatten, wurde das ursprüngliche Konzept zu Grabe getragen. Die Marketingabteilung machte aus dieser Neukonzeption eine „Ausweitung des Lichtblick-Konzeptes“. In Wahrheit wurde durch den seit Oktober 2012 ermöglichten Verkauf des Zuhausekraftwerk das auf Contracting basierende Ursprungskonzept mit dem Ziel aufgegeben, die Produktionszahlen zu erhöhen. Dies gelang aber nur teilweise. Im Mai 2014 waren insgesamt rund 1.500 Zuhausekraftwerke installiert.

Lichtblick und VW geben Trennung bekannt
Am 28. Mai 2014 gab nun das Hamburger Unternehmen Lichtblick bekannt, dass es zukünftig keine Blockheizkraftwerke (Zuhausekraftwerke) von Volkswagen mehr anbiete (http://www.bhkw-infozentrum.de/...).
Lichtblick erhebt in seiner Pressemeldung schwere Vorwürfe gegenüber Volkswagen. Der Autobauer solle bei dem Gemeinschaftsprojekt für hochmoderne Mini-Kraftwerke wesentliche wirtschaftliche Vertragsvereinbarungen verletzt haben. Die Wolfsburger hätten die Kooperation angeblich mit einem realitätsfernen Preisdiktat vor die Wand gefahren.

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