Perspektivwechsel auf Indonesisch

Erdmanns in Indonesien (PresseBox) (Flensburg, ) Es geht um Perspektiven. Um den Blick auf das, was Deutschland unterscheidet von Indonesien. Unterscheidet im Bildungswesen, im Blick auf die menschliche Psyche, auf das Leben an sich. Und es geht um die Augen von Helmut und Heidemarie Erdmann. In ihnen kann der Gegenüber sehen, was die beiden mitgenommen haben aus ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in Indonesien - Gelassenheit.

Es war ein Forschungsaufenthalt - eigentlich. Prof. Dr. Helmut Erdmann war von der Jember University eingeladen worden, um seine Kollegen über die neusten Techniken zum Nachweis gentechnisch veränderter Lebensmittel zu informieren. Dazu hielt er Vorträge an duzenden Hochschulen und führte im Labor in Jember den Nachweis auf gentechnische Veränderungen in Lebensmitteln (Gentechnisch veränderte Organismen, GVO) wie Keksen, Kindernahrung oder Pizza durch. "In der Politik und Wissenschaft ist man für dieses Thema sensibilisiert", sagt Erdmann. Obwohl in dem Inselstaat wenig gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, ist der Import von GVO-Soja aus den USA oder Argentinien für die Verwendung in Lebensmitteln weit verbreitet. In Kooperationsvereinbarungen habe man beschlossen, gemeinsame Forschungsprojekte und einen Austausch von Studierenden und Lehrenden zukünftig zu fördern.

Doch das ist bei Weitem nicht alles, was Helmut Erdmann und seine Frau mit zurück nach Flensburg nehmen: "Die Gelassenheit der Menschen, die wir erfahren haben", sagt der Wissenschaftler, "wollen wir in den deutschen Alltag mitnehmen." Einige Probleme, mit denen man sich in Europa beschäftige, seien im Gegensatz zu den existenziellen Nöten in Indonesien Luxusprobleme. "Bestimmte Umstände werden als gottgegeben hingenommen", erzählt Heidemarie Erdmann. Sie hat einen starken religiös-spirituellen Einfluss wahrgenommen, der vielen Menschen hilft ihre schwierigeren Lebensumstände zu bewältigen.

Die Psychotherapeutin konnte in ihrem Fachgebiet viele Erfahrungen sammeln und sich mit indonesischen Kolleginnen austauschen. In der indonesischen Gesellschaft werden psychische Erkrankungen oft ganz anders bewertet als bei uns. Hierbei spielen Schamgefühle eine große Rolle. "Menschen mit auffälligen psychischen Symptomen werden oft von der Familie weggesperrt und von ihrer Umwelt isoliert" berichtet Frau Erdmann. Mystisch- spirituelle Erfahrungen beeinflussten diese Entwicklung. Schamanen und Heiler haben immer noch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen einen wichtigen Platz. Einen anderen Blick auf die europäische Psychotherapie habe sie dadurch gewonnen, einen kritischeren. Neben den wissenschaftlich fundierten Erklärungen und Behandlungen psychischer Erkrankungen gibt es sicher auch noch andere Kräfte, die wirksam sein können.

Familie Erdmann schildert unzählige Eindrücke und Erlebnisse. Davon, dass die Europäer auf offener Straße von Fremden nach Namen, Alter und Familienstand gefragt wurden. Davon, wie laut die Städte sind, wie scharf und lecker das Essen. Dann erzählt Heidemarie Erdmann, wie sie eine Kollegin begleitete, die in einem indonesischen Gefängnis mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. "Es gibt dort keine Rehabilitationsmaßnahmen", berichtet Erdmann, die nun ein Projekt gestartet hat: Ein Lehrer soll die Kinder regelmäßig im Gefängnis unterrichten. Das ist nicht zu unterschätzen. Denn: "Bildung ist ein hohes Gut in Indonesien", sagt Helmut Erdmann. Es herrsche in Urbedürfnis nach Bildung, auch - oder gerade weil - die Schulen und Universitäten Geld kosten. "In Vorlesungen mit zum Teil 200 Studierenden werden viele Fragen aus dem Auditorium heraus gestellt", erzählt Erdmann, der es gewohnt ist, in deutschen Hörsälen oft selber die Fragen zu stellen. Vielleicht nimmt er es künftig gelassener.

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