Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken zieht erste Bilanz

Wachstum sichern durch Fachkräfte
Nach zwei Jahren Arbeit ziehen die Partner des Fachkräftebündnisses Heilbronn-Franken eine erste Bilanz: Alexandra Waltritsch (IHK Heilbronn-Franken), Peter Schweiker (IHK Heilbronn-Franken), Jürgen Czupalla (Agentur für Arbeit Heilbronn), Dirk Abel (Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg), Dr. Andreas Schumm (Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH), Thekla Schlör (Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim), Silke Ortwein (DGB Region Nordwürttemberg), Johannes Richter (Handwerks-kammer Heilbronn-Franken), Rolf Blaettner (Ar-beitgeberverband Heilbronn-Franken e. V.), Elke Schweig (IHK Heilbronn-Franken) (PresseBox) (Heilbronn, ) Aktuell fehlen in der Region 12.000 Fachkräfte. Der sich abzeichnende Fachkräfteengpass könnte die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft schwächen. Um dem entgegenzuwirken wurde am 20. April 2012 das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken gegründet. Nach zwei Jahren Aufbauarbeit ziehen die Partner des Fachkräftebündnisses nun eine erste Bilanz und blicken gemeinsam nach vorne.

Das Fachkräftebündnis ist mit dem Ziel angetreten, die Fachkräftebasis in Heilbronn-Franken langfristig zu sichern. Im Fokus stehen dabei die Beschäftigung von Frauen, der Ausbau der Hochschulen, die Förderung von gering Qualifizierten und die Anwerbung von außerregionalen Fachkräften. Die strukturierte Vorgehensweise des Bündnisses mit klaren Analysen und ehrgeizigen Zielen hat sich bewährt.

Die Bündnispartner - die IHK Heilbronn-Franken, die Handwerkskammer Heilbronn-Franken, der Arbeitgeberverband Heilbronn-Franken e. V., die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, der DGB Region Nordwürttemberg sowie die Agenturen für Arbeit Heilbronn und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim - sehen aber noch große Herausforderungen. Die Auswirkung des demografischen Wandels wird immer stärker spürbar.

Ziel der Bündnispartner ist es, regionale Strategien zur Fachkräftesicherung zu entwickeln, die diesen Tendenzen entgegensteuern. "Nur gemeinsam und abgestimmt können wir diese Zukunftsaufgabe meistern. Mit dem Fachkräftebündnis haben wir hierfür eine geeignete Plattform geschaffen. Doppelstrukturen werden verhindert, Ressourcen gebündelt und Synergieeffekte genutzt", erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig. Ehrgeizige, messbare aber auch realisierbare Ziele in den zentralen Handlungsfeldern sorgen dafür, dass die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen überprüft werden kann.

Im Handlungsfeld berufliche Weiterbildung soll die Anzahl der An- und Ungelernten bis 2020 von bisher knapp 50.700 um 500 Personen verringert werden. Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken: "Mit Vor-Ort-Beratungen und Fachforen zum Thema Qualifizierung von An- und Ungelernten leisten wir einen Beitrag zur Sensibilisierung der Unternehmen. Außerdem werden An- und Ungelernte im Rahmen einer modularen Nachqualifizierung zum Maschinen- und Anlagenführer gefördert und weiterentwickelt."

Ein weiteres Ziel ist die Erhöhung der Erwerbspartizipation von Frauen. In Heilbronn-Franken ist weniger als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiblich. Von bisher 143.000 weiblichen Beschäftigten im Jahr 2011 soll diese Zahl bis 2020 um 15.000 erhöht werden. "Im Handlungsfeld Frauen setzen wir verstärkt auf die Deckung des Fachkräftebedarfs in Mangelberufen. Der Start der Teilzeitausbildung zur examinierten Altenpflegerin mit integrierter Sprachförderung im Dezember letzten Jahres ist ein Beispiel unserer Maßnahmen", sagt Jürgen Czupalla, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Heilbronn.

Die Erhöhung der Studierendenzahl in der Region Heilbronn-Franken von knapp 10.500 auf 15.000 bis 2015 ist ein Ziel im Handlungsfeld Hochschule. "Beim Ausbau der Hochschulen in Heilbronn-Franken sind wir ein gutes Stück weitergekommen. So ist beispielsweise Heilbronn nun ein eigenständiger DHBW-Standort. Und der Campus der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau wird weiter ausgebaut, ebenso der Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn", betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig.

Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland ist ein weiteres Ziel. Bis 2020 sollen 200 ausländische Fachkräfte akquiriert werden. Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH: "In Kooperation mit der IHK Navarra haben wir das Projekt 'Tu objetivo: Alemania' organisiert und 12 spanische Akademiker in eine Festanstellung vermittelt. Mit dem Welcome Center wurde außerdem eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die Privatpersonen und Unternehmen gebündelt Informationen rund um das Thema Leben und Arbeiten in Heilbronn-Franken zur Verfügung stellt." Thekla Schlör, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, ergänzt: "Um die Lücke zwischen Bewerbern und offenen Ausbildungsplätzen wieder stärker zu schließen, bieten wir Betrieben mit der zentralen Ausland- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit konkrete Vermittlungsdienstleistungen an. Wichtig ist ein Begleiter hier vor Ort, um das Eingewöhnen zu erleichtern."

Insgesamt ziehen die Bündnispartner eine positive Bilanz. "Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken ist die Antwort der regionalen Partner auf den bereits vorhandenen und zukünftig drohenden Fachkräfteengpass. Alle Bündnispartner ziehen an einem Strang, übernehmen Verantwortung und leisten einen aktiven Beitrag zur Fachkräftesicherung in Heilbronn-Franken", so Silke Ortwein, Regionssekretärin des DGB Region Nordwürt-temberg.

Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken wird durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg begleitet. "Das Beispiel des Fachkräftebündnisses Heilbronn-Franken zeigt, dass die Zusammenarbeit regionaler Partner einen Beitrag zur Sicherung der Fachkräftebasis leisten kann. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wurden von der ESF-geförderten, regionalen Koordinierungsstelle gezielt erreicht und haben Ideen für die eigene Personalarbeit mitgenommen", berichtet Dirk Abel, stellvertretender Leiter Referat Fachkräftesicherung im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg.

Große Herausforderungen stehen allerdings noch bevor. Dazu müssen vorhandene Potenziale erschlossen, neue gehoben und KMU für das Thema Fachkräftesicherung sensibilisiert werden. Dies ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe aller regionalen Akteure. "Der Engpass an Fachkräften darf sich nicht zu einer Wachstumsbremse für die Unternehmen und Wirtschaft in der Region entwickeln. Eine strukturierte und nachhaltige Zusammenarbeit der Bündnispartner sowie relevanter Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Kommunen und Politik ist deshalb auch zukünftig von großer Bedeutung", resümiert Rolf Blaettner, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Heilbronn-Franken e. V.

Statements der Bündnispartner

Elke Schweig, IHK Heilbronn-Franken


"Beim Ausbau der Hochschulen in Heilbronn-Franken sind wir ein gutes Stück weitergekommen. Die Studierendenzahl ist kräftig gestiegen. Der Hochschulstandort Heilbronn-Franken ist im Wandel. So ist beispielsweise Heilbronn nun ein eigenständiger DHBW-Standort. Und der Campus der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau wird weiter ausgebaut, ebenso der Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn. Aber es gibt auch in Zukunft noch einiges zu tun. Nach wie vor belegen wir, trotz des enormen Wachstums in den letzten Jahren, bei der Studierendendichte den letzten Platz in Baden-Württemberg. Wir müssen deshalb am nachhaltigen und qualitätsvollen Ausbau des Studiums, der Lehre und der Forschung gemeinsam weiterarbeiten."

Ralf Schnörr, Handwerkskammer Heilbronn-Franken

"Mit der Weiterbildung von An- und Ungelernten können Betriebe dem Fachkräfteengpass begegnen. Diese Potenziale müssen wir nutzen. Dafür müssen wir die Unternehmen sensibilisieren und flexible Modelle der Nach- und Teilqualifizierungen entwickeln. Mit Vor-Ort-Beratungen und Fachforen zum Thema Qualifizierung von An- und Ungelernten leisten wir einen Beitrag zur Sensibilisierung der Unternehmen. Außerdem werden An- und Unge-lernte im Rahmen einer modularen Nachqualifizierung zum Maschinen- und Anlagenführer gefördert und weiterentwickelt."

Jürgen Czupalla, Agentur für Arbeit Heilbronn

"Im Handlungsfeld Frauen kümmern wir uns unter anderem um den Fachkräftebedarf im Pflegebereich. Durch eine Teilzeitausbildung mit einer Sprachförderung ist es uns gelungen, Menschen mit Sprachdefiziten die Chance auf eine qualifizierte Tätigkeit in diesem attraktiven Berufsfeld zu verschaffen und die Pflegeeinrichtungen bei der Deckung ihres Personalbedarfs zu unterstützen. Außerdem haben wir im letzten Jahr ein Dual Career Netzwerk gegründet, das Fach- und Führungskräfte aus dem Bundesgebiet unterstützen soll, beruflich und privat im Raum Heilbronn schnell Fuß zu fassen. Jetzt richtet sich unser Blick darauf, die Erwerbsbeteiligung von Frauen in der Familienphase zu unterstützen. Insbesondere die Einführung des Elterngeld Plus im nächsten Jahr verbessert die Rahmenbedingungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft von Anfang an."

Dr. Andreas Schumm, Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH

"Wir wollen gezielt außerregionale und ausländische Beschäftigte für den regionalen Arbeitsmarkt gewinnen. In Kooperation mit der IHK Navarra haben wir dafür das Projekt 'Tu objetivo: Alemania' organisiert und 12 spanische Akademiker in eine Festanstellung vermittelt. Mit dem Welcome Center Heilbronn-Franken wurde außerdem eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die Privatpersonen und Unternehmen gebündelt Informationen rund um das Thema Leben und Arbeiten in Heilbronn-Franken zur Verfügung stellt. Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten dort Unterstützung bei der Akquise von internationalen Fachkräften."

Thekla Schlör, Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim

"Die Aktivitäten, Ausbildungsplätze in der Region zu besetzen, enden nicht an den deutschen Grenzen. Zusätzlich zu hier wohnenden Bewerbern dehnen wir die Suche nach Ausbildungsinteressenten auch auf das europäische Ausland aus. In Kooperation mit unseren Partnern sprechen wir Ausbildungsinteressenten an und werben für eine duale Ausbildung. Wichtige Voraussetzung sind Deutschkenntnisse und ein Praktikum, um das Ziel Ausbildung realisieren zu können. Künftig werden wir die ausbildungsinteressierten Betriebe und Bewerber noch intensiver unterstützen, um nicht nur den Beginn der Ausbildung, sondern auch die gesamte Durchführung inklusive Begleitung zu unterstützen. Aktuell laufen Gespräche, um für den Ausbildungsbeginn 2015 Projektpartner und -koordinatoren ins Boot zu holen."

Silke Ortwein, DGB Region Nordwürttemberg

"Zur langfristigen Sicherung der Fachkräftebasis in Heilbronn-Franken benötigen wir eine Vielzahl von Maßnahmen im Rahmen einer abgestimmten Strategie. Das Fachkräftebündnis ist die Antwort der regionalen Partner auf den bereits vorhandenen und zukünftig drohenden Fachkräfteengpass. Alle Bündnispartner ziehen an einem Strang, übernehmen Verantwortung und leisten einen aktiven Beitrag zur Fachkräftesicherung in Heilbronn-Franken. Die Erfolge der letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass sich die gemeinsamen Anstrengungen ausgezahlt haben."

Rolf Blaettner, Arbeitgeberverband Heilbronn-Franken e. V.

"Der Engpass an Fachkräften darf sich nicht zu einer Wachstumsbremse für die Unternehmen und Wirtschaft in der Region entwickeln. In der Zukunft müssen wir den Arbeitgebern bei der Suche nach Fach- und Führungskräften deshalb verstärkt mit konkreten Hilfen und Maßnahmen zur Seite stehen. Das Fachkräftebündnis bietet hierzu eine gute Plattform. Eine strukturierte und nachhaltige Zusammenarbeit der Bündnispartner sowie relevanter Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Kommunen und Politik ist deshalb auch zukünftig von großer Bedeutung. Die Sicherung der Fachkräftebasis in Heilbronn-Franken ist eine Gemeinschaftsaufgabe."

Dirk Abel, Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg

"Für die Breitenwirkung des Fachkräftethemas ist die Zusammenarbeit regionaler Akteure maßgeblich. Das Beispiel des Fachkräftebündnisses Heilbronn-Franken unter der Federführung der IHK Heilbronn-Franken zeigt, dass die Zusammenarbeit regionaler Partner einen Beitrag zur Sicherung der Fachkräftebasis leisten kann. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wurden von der ESF-geförderten, regionalen Koordinierungsstelle gezielt erreicht und haben Ideen für die eigene Personalarbeit mitgenommen."

Kontakt

Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken
Ferdinand-Braun-Straße 20
D-74074 Heilbronn
Martina Förch
IHK Heilbronn-Franken
Stabsstelle Public Relations
Dr. Detlef Schulz-Kuhnt
Kommunikation

Bilder

Social Media