Tarnung ist alles

"Unsichtbarkeit" bei militärischen Tages- und Nachteinsätzen ist prüfbar
Mit modernen Spektralphotometern, die den Wellenlängenbereich von 250 bis 2500 nm abdecken, prüfen die Hohenstein Institute die Übereinstimmung von Camouflage-Prints mit den Farbvorgaben aus technischen Lieferbedingungen © Hohenstein Institute   (PresseBox) (Bönnigheim, ) Tarnung spielt eine entscheidende Rolle bei militärischen Tagesund Nachteinsätzen. Die Anwendung von Camouflage-Drucken und speziellen Farbstoffen sorgt dafür, dass Personen und Geräte durch Anpassung an das jeweilige Terrain schwer zu entdecken sind. Da jeder Körper Wärme ausstrahlt, die sogenannte Infrarotstrahlung (kurz: IR-Strahlung), ist es heutzutage möglich, Personen auch bei völliger Dunkelheit mit Hilfe von Wärmebild-Kameras sichtbar werden zu lassen. In diesem Zusammenhang prüfen die Hohenstein Institute in Bönnigheim mittels eines Spektralphotometers die Chromatizität (Farbsättigung) sowie die IRReflexion verschiedener Textilmaterialien, wie z. B. von Wüsten- und Multi-Terrain- Kampfanzügen. Zudem sind die im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelten Textilien, die Infrarot-Strahlung effektiv abschirmen, auch für den Einsatz in den Uniformen von Streitkräften interessant.

Tageseinsätze: Verbesserung der optischen Tarnwirkung

Militärische Kampfanzüge sind normalerweise mit den üblichen Tarnmustern von 3 - 5 Farben in Erd- und Olivtönen ausgestattet. Bei Tageslicht sorgen diese - optimal auf das jeweilige Gelände abgestimmten Tarndrucke - für eine "Verschmelzung" mit dem Hintergrund und schützen so vor Sichtung durch den Gegner. Wenn weißes Licht, z. B. Sonnenlicht, auf die Uniform trifft, dann werden gewisse Anteile des Licht- Spektrums absorbiert und andere reflektiert. Das ist der Grund, warum die Uniform (bzw. Gegenstände allgemein) farbig erscheint. Die über 350.000 Farbtöne, die ein menschliches Auge unterscheiden kann, machen eine Farbmessung mit einem Spektralphotometer notwendig. Bei der Farbmessung wird untersucht, welche Anteile des weißen Lichtes von der entsprechenden Materialprobe zurückgeworfen werden.

Diese werden zahlenmäßig erfasst und Abweichungen der Farbvorgaben berechnet.

Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Farben der Tarnmuster den technischen Vorgaben entsprechen. Die Prüfung der optischen Tarnwirkung im Neuzustand sowie nach künstlicher Alterung erfolgt durch spektralphotometrische Farbmessungen nach DIN EN ISO 11664 und DIN 5033.

Nachteinsätze: Effektive Abschirmung von Infrarot-Strahlung

Nächtliche Einsätze stellen nicht nur für die Soldaten, sondern auch für ihre Bekleidung eine Herausforderung dar. Spezielle Materialien sorgen dafür, dass die verräterische infrarote Wärmestrahlung (IR-Strahlung), erzeugt durch die Körperwärme des Soldaten, absorbiert wird. Daher kommen Infrarot-absorbierende anorganische bzw. organische Pigmente (spezielle Küpenfarbstoffe) für Camouflage- Drucke der Uniformen zum Einsatz, die die Träger für die CCD-Sensoren von Nachtsichtgeräten weitgehend "unsichtbar" machen. Die Hohenstein Institute prüfen mittels spektrophotometrischer Reflexionsmessungen, ob die Maximal- Reflexionsgrenzen den Vorgaben (z. B. den technischen Lieferbedingungen) entsprechen. Diese Farbstoffe decken allerdings nur kurzwellige Infrarot-Strahlung ab. Mit Hilfe von Wärmebildkameras, die auch langwellige Infrarot-Strahlung erfassen, lässt sich die Wärmesignatur einer Person trotz der speziellen Küpenfarbstoffe sichtbar machen. Dem wollten die Hohenstein Experten entgegenwirken und haben deshalb im Rahmen eines Forschungsprojektes (AiF-Nr. 15598) entsprechende Materialien entwickelt. Die Experten haben dazu Chemiefasern mit Indiumzinnoxid-Nanopartikeln, kurz ITO, eingebunden bzw. beschichtet. ITO sind transparente Halbleiter, die aus dem Einsatz in Touchscreens und Smartphones bekannt sind. So sorgt die neuartige Textilausrüstung dafür, dass die Wärmestrahlung einer Person deutlich effektiver absorbiert wird und zugleich der Tragekomfort bestehen bleibt.

Wie "unsichtbar" Uniformen die Soldaten bei nächtlichen Einsätzen wirklich machen, lässt sich durch die spektrometrische Ermittlung der Strahlungs-Absorption, Reflexion und Transmission nach DIN EN 410 an den Hohenstein Instituten überprüfen.

Umfassendes Know-how für den militärischen Einsatz

Neben den spektrometrischen Prüfleistungen zur Tarnwirkung von Camouflage bei Tages- und Nachteinsätzen bieten die Hohenstein Institute noch weitere Dienstleistungen an, welche die Einsatzkräfte bei ihren jeweiligen Tätigkeiten optimal unterstützen. Dazu gehören die Überprüfung der Passform, die Hautfreundlichkeit sowie die Komforteigenschaften der Uniformteile, die sich nachweislich auf die geistige Leistungsfähigkeit der Soldaten auswirken. Des Weiteren werden Schadstoffprüfungen nach OEKO-TEX® Standard 100 und Insektenschutz-Prüfungen durchgeführt, um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Soldaten auszuschließen.

Kontakt

Hohenstein Institute
Schlosssteige 1
D-74357 Bönnigheim
Odett Nagy
Klaus Wobser

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