Mit dem Zug in Höchstgeschwindigkeit durch den Thüringer Wald

Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt ab Dezember für den Personenverkehr freigegeben
Froschgrundseebrücke im Bau (c) Obermeyer (PresseBox) (München, ) In weniger als vier Stunden mit dem Zug von München nach Berlin – was lange fast unvorstellbar war, wird ab dem 10. Dezember 2017 Realität. OBERMEYER hat mit der Gesamtplanung des Neubaus der gut 100 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt einen wesentlichen Teil dazu beigetragen.

Rekordprojekt: Die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt, Teil der Bahnmagistrale München–Berlin und damit auch Teil der transeuropäischen Achse 1 Berlin–Palermo, war Deutschlands größte und längste Bahnbaustelle. Während es sich zwischen Nürnberg und Ebensfeld um eine Ausbaustrecke handelt, wurde der Abschnitt zwischen Ebensfeld über Coburg nach Erfurt komplett neu erbaut. Und das unter schwierigen Bedingungen: Die Strecke durchquert den Höhenzug des Thüringer Waldes und ist damit die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Europas, die in mehr als 600 m Höhe und durch schneesicheres Gebiet verläuft. Die Kosten pro Kilometer betragen daher rund 30 Mio. Euro.

Der Ausbau dieses Streckenabschnitts zählt zu Europas wichtigsten Infrastrukturprojekten. Die Wiedervereinigung im Jahr 1989 stellte die bis dahin gültige Verkehrswegeplanung vor komplett neue Herausforderungen. Der Ausbau einer weiteren Nord-Süd-Achse für den Eisenbahnverkehr erwies sich als unumgänglich und wurde bereits 1991 beschlossen. Über 25 Jahre nach der Wiedervereinigung und der Grundsatzentscheidung für die Umsetzung der Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“ (VDE) ist der Abschnitt zwischen Nürnberg und Erfurt das abschließende Projekt aller 17 VDE-Maßnahmen.

OBERMEYER hatte dabei von der DB ProjektBau GmbH den planerischen Alleinauftrag für die 107 km umfassende Neubaustrecke erhalten. Dazu zählten neben technischer Planung und Gesamtkoordination auch umweltrelevante Fachgutachten, landschaftspflegerische Begleitplanung sowie Lärm- und Erschütterungsgutachten.
Die zweigleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke führt durch den Thüringer Wald. Etwa die Hälfte davon verläuft durch oder über Ingenieurbauwerke: Im Einzelnen umfasst der Abschnitt 22 Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 40 km sowie 30 Talbrücken mit insgesamt rund 10 km Länge. Trotz dieser schwierigen Umstände können geeignete Züge mit bis zu 300 km/h fahren.

Erschwerte Bedingungen im Thüringer Schiefergebirge
Voraussetzung für derartige Geschwindigkeiten ist eine moderne Gleistrasse mit mäßigen Steigungen und großen Radien. Eine besondere Herausforderung stellten dahingehend die topografischen und geologischen Besonderheiten des Thüringer Schiefergebirges dar, welches sich zwischen Coburg im Süden und Ilmenau/Langwiesen im Norden erstreckt: In diesem Abschnitt befinden sich neun ausgeprägte Täler, die zum Schutz des Talraums mit hohen Talbrücken gequert werden. Geometrie und Geologie erfüllten dabei die Voraussetzungen für die von OBERMEYER eigens entwickelten, weitgespannten Bogenbrücken mit Spannweiten bis zu 165 m. Charakteristisch für diese Art von Brücken ist das Zusammenwirken von Bogen und Überbau als Gesamttragwerk.

Bogenbrücken in Rekordlänge
Sechs Talbrücken konnten so nach einheitlichem Konzept gestaltet werden. Drei weitere jedoch erforderten außergewöhnliche Planungsmaßnahmen:
Da der Typ der Bogenbrücke alle Erwartungen an Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit, Ausführbarkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllte, führte OBERMEYER dieses Konzept auch für diese schwierigen Bereiche weiter und verlängerte die Spannweite der Brücken von bisher 165 auf 270 m. Solche Spannweiten waren für Eisenbahnbrücken bisher nie ernsthaft in Betracht gezogen worden. Mithilfe dieser neuen Brückenkonstruktion, die sich besonders elegant in die Landschaft einfügt, wurde eine optimale Lösung für die Querung des 24 ha großen Froschgrundsees, für das lange, trassierungsbedingt schwierige Grümpental sowie für das Ilmtal bei Langewiesen gefunden. Hier steht nun mit knapp 1.700 m die längste Brücke der gesamten Strecke.

Zahlen und Fakten:


Neubau der Bahnstrecke Ebensfeld–Erfurt; die zweigleisige Hochgeschwindigkeits-strecke ist Teil der Bahnmagistrale München–Berlin

  • Leistungsumfang OBERMEYER: Gesamtplanung
  • Freigabe für den Personenverkehr: 10. Dezember 2017
  • Gesamtlänge der Strecke: 107 km
  • Maximal mögliche Geschwindigkeit: 300 km/h
  • Tunnel: 22, ca. 40 km gesamt
  • Längster Tunnel: 8.314 m
  • Talbrücken: 30, ca. 10 km gesamt
  • Längste Brücke: 1.700 m

Kontakt

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Marketing & Kommunikation
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Leitung Marketing & Kommunikation

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