Der Holzbau beherrscht die Details

Viel Neues bei der DHV-Herbsttagung in Fulda
Wissenschaft pro Holzbau: Dr.-Ing. Michael Merk von der TU München erforscht Brandverläufe sowie das Brandverhalten von Baustoffen mit dem Ziel, Präventionsstrategien für den Holzbau zu entwickeln. Dabei spielt der Bau von Mehrgeschossern aus Holz eine zunehmend wichtigere Rolle. Foto: Achim Zielke für den DHV, Ostfildern; www.d-h-v.de (PresseBox) (Ostfildern/Fulda/Ebersburg-Weyhers, ) Fachvorträge, die dieser Bezeichnung alle Ehre machten, erwarteten die über 100 Teilnehmer/-innen der diesjährigen Herbsttagung des Deutschen Holzfertigbau-Verbandes e.V. (DHV) im Esperanto-Kongress-Hotel in Fulda. Den Auftakt machte eine Baustellenbegehung, die die Leistungsfähigkeit des Holzbaus bei der energetischen Sanierung und räumlichen Umnutzung eines älteren Lagerhauses eindrucksvoll vor Augen führte. Das ausführende DHV-Mitgliedsunternehmen Baumgarten GmbH sorgte mit dieser Objektbegehung zum Auftakt und einer Werksbesichtigung am Ende für eine ansprechende regionale Einbettung der Tagung.

Den ersten Fachvortrag hielt Dr.-Ing. Michael Merk, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Stefan Winter an der TU München. Wissenschaftlich u.a. mit dem Brandschutz im Holzbau befasst, stellte er in seinem Vortrag zunächst das ambitionierte Brandschutz-Projekt TIMpuls vor, das kürzlich gestartet ist. Danach ging Merk ausführlich auf das mehrgeschossige Bauen mit Holz in der Gegenwart und Zukunft ein: „Wir bauen immer höher, die Gebäude werden immer größer. Der Oak-Wood-Tower in London zum Beispiel soll 80 Geschosse umfassen und eine Höhe von 300 m erreichen – das ist so hoch wie der Pariser Eiffelturm. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie sich ein geschossübergreifender Brandüberschlag schon im Voraus wirksam verhindern lässt.“

Mehr Forschung nötig

Bei der Beantwortung solch grundlegender Fragen kann eine forcierte Bauforschung nur hilfreich sein. Dr. Merk legte plausibel dar, dass in der Brand-Ursachenforschung und der Entwicklung von brandvorbeugenden Strategien für Mehrgeschossgebäude in Holzbauweise noch nicht genügend wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Um diese Lücken zu schließen, bedarf es zahlreicher zusätzlicher Brandversuche und -studien. Zu klären sind laut Dr. Merk ganz elementare Zusammenhänge: Was geschieht, wenn sich ein Kabelbrand zu einem Wohnungsbrand auswächst? Und wie steht es generell um die Sanierbarkeit von Häusern unter Löschwasserbelastung nach einem Brand? Neue Erkenntnisse verspricht ein geregelter Wissenstransfer, der die Hochschulen und die Baupraxis so eng wie möglich miteinander verzahnt. Dabei spielt natürlich auch das Thema Finanzierbarkeit von Forschungsvorhaben eine Rolle – ein Betätigungsfeld für interessierte Unternehmen und Verbände.

Integraler Schutz vor Wasserschäden

Leitungswasserschäden im Haus zu verhindern, ist das Anliegen von Axel Klee, Geschäftsführer der Pipe Systems GmbH aus Rotenburg a. d. Wümme. Da es in Deutschland jedes Jahr etwa 3000 Leitungswasserschäden in Privathaushalten gibt, müssen Gebäude- und Hausratversicherungen pro Tag eine Summe von 6 Mio. EUR zur Regulierung aufwenden. Um Hauseigentümer vor schadensbedingten Prämienerhöhungen zu bewahren, regte Klee an, die wasserführenden Leitungen und die Wasseranschlüsse mit „Wasserleck protect“, einem von Pipe Systems entwickelten System zur Verhinderung von Leitungswasserschäden, auszurüsten. „Erste Versicherungsunternehmen erkennen den nachgewiesenen Einbau unserer innovativen Produktentwicklung bereits als prämiensenkende Vorbeugemaßnahme an“, unterstrich Klee am Ende seines praxisorientierten Vortrags. Gut möglich, dass sich in Holzfertighäusern des einen oder anderen DHV-Mitgliedsunternehmens demnächst Wasserschutzprodukte von Pipe Systems wiederfinden.

Achterbahnfahrt auf Holz

Ulf Cordes, Geschäftsführer des DHV-Mitgliedsunternehmens Cordes Holzbau in Rotenburg a.d. Wümme, berichtete über spektakuläre Projektaufträge, die sein auf Ingenieurholzbauten spezialisiertes Unternehmen ausführen durfte – so beispielsweise die Entwicklung und Montage eines überdimensionalen Geckos auf dem Dach und an der Fassade des Sportwagenherstellers Wiesmann in der Nähe von Münster. „Das Motto, das dem Auftrag zugrunde lag, lautete: ‚Der Gecko haftet an der Wand wie die Autos auf der Straße.‘ Dies durch eine ingenieurmäßige Holzkonstruktion zu symbolisieren, war eine überaus reizvolle Aufgabe“, erinnerte sich Unternehmer Ulf Cordes, der auch 2. Vorstand des Deutschen Holzfertigbau-Verbandes ist.

Eine Klasse für sich ist Cordes Holzbau mittlerweile beim Bau von Holzachterbahnen: Beispielsweise konstruierte, fertigte und montierte das Unternehmen die Holzachterbahn „Mammut“ in Tripsdrill (Baden-Württemberg). Dabei wurde jede Holzschiene mit 700 Rillennägeln pro laufendem Meter befestigt. „Das beste Fahrgeschäft der Welt ist aber die Holzachterbahn „El Torro“ in den USA, natürlich made by Cordes Holzbau“, schloss der Holzbauunternehmer aus Leidenschaft. Sein Vortrag machte deutlich, dass der Holzbau schon viel weiter ist, als man ihm in Deutschland gemeinhin zutraut. „Andere Länder tun sich mit Holzkonstruktionen wesentlich leichter als wir in Deutschland“, resümierte er.

Schöne neue Wirklichkeit

Zu einem Ausflug in ganz andere Wirklichkeiten lud Tobias Kenner von der Wurzel Mediengruppe in Esslingen die Teilnehmer/-innen der DHV-Herbsttagung ein. Dabei zeigte sich, dass das, war wir als real wahrnehmen, durchaus einer virtuellen Inszenierung entstammen kann. „Augmented Reality ist, wenn man das Feuer im virtuellen Ofen knistern hört“, beschrieb Kenner den Effekt. Getreu dem Unternehmensmotto „Wir machen Medien zum Erlebnis“ machte der Kommunikationsexperte deutlich, dass sich für den Verkauf von Holzfertighäusern 3-D-Visualisierungen nutzen lassen, indem sie ein photorealistisches Bild des künftigen Gebäudes erzeugen. “Sogar Baustellendokumentationen sind denkbar, die den gesamten Bauverlauf umfassen und auf Abruf wiedergeben. Nichts geht mehr verloren, nichts wird übersehen“, betonte Kenner. Angesichts einer immer stärkeren Verrechtlichung des Baugeschehens kann diese neue Dimension der Digitalisierung – richtig angewandt – Entlastung bei der Nachweisführung für Anwender mit sich bringen.
Weitere Informationen: www.d-h-v.de

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15.-17.03.2018: Gemeinsame Frühjahrsfachtagung von DHV, ZMH und 81fünf im Maritim Hotel, Berlin

Leistungsstarke Interessengemeinschaft: DHV, ZMH und 81fünf

Mit zusammen über 300 Mitgliedsbetrieben bilden der Deutsche Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV, Ostfildern; www.d-h-v.de), die Vereinigung ZimmerMeisterHaus (ZMH, Schwäbisch Hall; www.zmh.com) und das Netzwerk 81fünf high-tech & holzbau AG (Lüneburg; www.81fuenf.de) eine leistungsstarke Gemeinschaft, die übereinstimmende Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit Dezember 2015 gebündelt artikuliert. Größte Organisation in diesem Verbund ist der DHV, der als zentrales Sprachrohr fungiert. Zu den Mitgliedsunternehmen der drei holzwirtschaftlichen Verbände, die das Bauen in Deutschland nachhaltig mitgestalten, zählen Holzfertigbaubetriebe, Architektur- und Planungsbüros sowie Zulieferfirmen aller baubeteiligten Gewerke. Darüber hinaus gehören Sägewerke, Baumaschinenhersteller sowie Dienstleister aus bauaffinen Branchen wie zum Beispiel Gebäude-Energieberater, Statiker, Softwareentwickler, Vermessungsingenieure und Medienvertreter dem holzwirtschaftlichen Interessenverbund an. Das gemeinsame Ziel heißt Holzbau komplett: von der Beratung über die Planung und Vorfertigung bis zur bezugsbereiten Ausführung von Wohnhäusern, Büro-, Gewerbe- und Zweckbauten in allen erdenklichen Formen und Größen.

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